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►Weihbischof Adolf Kindermann ( 1899 . 1974 )

Wien/Greiß-Nidda, am 28. Oktober 2014

Weihbischof Adolf Kindermann (1899-1974)

Am 23. Oktober jährte sich zum 40. Male der Todestag eines der drei „Königsteiner Kirchenväter“, Weihbischof Adolf Kindermann. Dafür würdigte im Institut für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien e. V. in Geiß-Nidda Julia Nagel das Wirken dieses großen sudetendeutschen Bischofs für die Heimatvertriebenen.

Auf der Inschrift des Denkmals für die drei Königsteiner Kirchenväter, das der Kölner Kardinal Meisner am 1. September 2011 in Königstein für Bischof Kaller, Weihbischof Kindermann und Pater Werenfried einweihte, lesen wir über Weihbischof Kindermann:

Titularbischof von Utimmira

Weihbischof von Hildesheim

Theologieprofessor und Kirchenrechtler in Rom, Prag und Königstein

Rektor des Deutschen Seminars in Prag

Weitblickender Helfer der sudetendeutschen Vertriebenen

Gründer und Leiter des Albertus Magnus Kollegs in Königstein

Prophezeite seit 1950 den Untergang des Eisernen Vorhangs und des Ostblocks

Vorkämpfer der Aussöhnung mit den Völkern des Ostens.

Adolf Kindermann wurde am 8. August 1899 in Neu-Grafenwalde bei Schluckenau in Nordböhmen in der Diözese Leitmeritz geboren. Schon früh zeigte sich bei ihm ein großes Interesse für die Schule und später für die Wissenschaft. Kindermanns Weg führte dabei zunächst über das klassisch-humanistische Jesuitengymnasium in Mariaschein nach Leitmeritz an das Priesterseminar, wo er sein theologisches Studium begann.

Als österreichischer Soldat war er im Ersten Weltkrieg an der italienischen Front. Nach Kriegsende schickte ihn 1920 Bischof Groß zum Weiterstudium nach Rom, wo Kindermann an der Propaganda-Universität in den Fächern Philosophie und Theologie mit dem Doktorat abschloss. 1924 beendete er seine Studien auch mit dem Doktorat beider Rechte („doctor quadruplex“).

Im selben Jahr wurde er zum Priester geweiht und feierte seine Heimatprimiz in Schluckenau. Sodann trat er eine Kaplanstelle in Dux in der Diözese Leitmeritz an. Es folgte noch eine Tätigkeit als Katechet in Aussig, ehe er als Professor für Kirchenrecht seine akademische Lehrtätigkeit aufnahm, zuerst an der Theologischen Hochschule des Priesterseminars in Leitmeritz und dann an der Theologischen Fakultät der Deutschen Universität in Prag.

1938 mussten die sudetendeutschen Seminaristen das gemeinsame Priesterseminar in Prag verlassen, in dem weiterhin die Priesteramtskandidaten beider Volksgruppen gewohnt hatten, als die Karlsuniversität in eine tschechische und eine deutsche Universität geteilt worden war. Professor Kindermann errichtete 1939 ein deutsches Priesterseminar und führte es durch alle Kriegswirren bis 1945.

Seit 1940 konnte er dort auch ukrainischen und litauischen Studenten Studienplätze schaffen. Schikaniert von zahlreichen Verhören durch die Gestapo in Prag und nach Kriegsende als Sudetendeutscher rechtlos, musste er letztendlich wie alle Sudetendeutschen die Tschechoslowakei verlassen und erhielt 1946 den Ruf nach Königstein im Taunus durch den Vertriebenenbischof Maximilian Kaller.

In diesen Königsteiner Anstalten als Sammelbegriff für das „Vaterhaus der Vertriebenen“ entstand ein Gymnasium, eine Philosophisch-Theologische Hochschule und ein Priesterseminar, verschiedene Institute und Publikationsorgane und auch das Institut für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien. 1959 wurde Kindermann von Rom mit der Seelsorge an den Sudetendeutschen betraut, 1962 folgten die Ernennung zum Apostolischen Protonotar und 1966 zum Weihbischof von Hildesheim mit Sitz in Königstein.

Seit 1948, als der später legendäre „Speckpater“ Werenfried van Straaten zum ersten Mal nach Königstein kam, bestand die Zusammenarbeit, ja Freundschaft mit dem Werk der Ostpriesterhilfe, dem heute weltweit wirkenden Werk „Kirche in Not“. Pater Werenfried van Straaten schreibt im Kapitel „Das Haus der Verjagten“ in seiner Autobiographie:

„Aber mit Freude und Dankbarkeit gedenken wir der innigen Zusammenarbeit von früher, und unzerbrechlich wird die Freundschaft bleiben, die mich mit dem alten, frommen, unbeugsamen, ewig jungen Kindermann verbindet.“

In diesem Kapitel berichtet er über die Anfänge Königsteins aus seiner Sicht: Über die Trümmerhaufen ganz unterschiedlicher Art, die das Königsteiner Kollegium, aber auch seine Studenten und Seminaristen zu bewältigen hatten; dabei handelte es sich um materielle, aber auch ideelle Trümmerhaufen. Das konnte Kindermann und Werenfried jedoch nicht aufhalten, sich von ihrer Berufung abbringen zu lassen.

Mit seinen Ideen hat Kindermann die Entwicklung der Ostpriesterhilfe stark beeinflusst, eine Ostpriesterhilfe war daher ohne Königstein, dem „Vaterhaus der Vertriebenen“ nicht vorstellbar und umgekehrt ebenso.

Daneben zählen zu weiteren Gründungen in Königstein durch Prälat Kindermann Einrichtungen wie das Haus der Begegnung, das jahrelang für Tagungen und Kongresse (auch für Kongresse von „Kirche in Not“ genutzt wurde), die Kollegskirche, eine ehemalige Lagerhalle, die von Theologiestudenten unter harter Mühsal zu einem Gotteshaus hergerichtet wurde, und das Priesterreferat. Nicht nur in Form von Gebäuden gab Kindermann eine Richtung an – auch in geistiger Hinsicht war er der Architekt von Königstein.

Ab 1947 wurden vom Priesterreferat die „Mitteilungen für die heimatvertriebenen Priester aus dem Osten“ herausgegeben, welchen ab 1956 eine wissenschaftliche Beilage, die „Königsteiner Blätter“, folgte.

Viel haben die Heimatvertriebenen Weihbischof Adolf Kindermann zu verdanken. Ohne sein Eintreten und sein selbstloses Wirken ist es wohl fraglich, ob eine Vertriebenenseelsorge in der neuen Heimat unmittelbar nach der Vertreibung hätte fruchtbar werden können. Getreu seinem Wahlspruch „Contra spem in spem“ (Hoffnung wider alle Hoffnung) hat Kindermann in all der Hoffnungslosigkeit und dem Elend nach der Vertreibung sein ganzes Tun und Handeln in die Seelsorge an den Heimatvertriebenen, aber auch in die Ausbildung des Priesternachwuchses gelegt.

Auf dem Friedhof in Königstein fand er neben Bischof Maximilian Kaller seine letzte Ruhestätte. Seit 2011 erinnert ein Denkmal auf dem Werenfried-Platz in Königstein, das ihn mit Bischof Kaller und Pater Werenfried darstellt, an ihn.

Wenn Sie noch mehr über das Wirken von Bischof Kindermann erfahren wollen, so empfehlen wir das folgende Buch:

Königstein. Stadt des Aufbaus und der Versöhnung. Festschrift zur Einweihung des Denkmals für Bischof Maximilian Kaller, Bischof Adolf Kindermann und Pater Werenfried van Straaten. Geiß-Nidda 2011. 176 Seiten. Euro 12.80

Bestelladresse:

Institut für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien e. V., Haus Königstein, Zum Sportfeld 14, D-63 667 Geiß-Nidda.

 

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