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125 Jahre Gottscheer Landsmannschaft Wien

Gottscheer Landsmannschaft Wien feierte 125-jährigen Bestand

Utl.: Die „Gottscheer“ sind im Verband deutscher altösterreichischer Landsmannschaften ein „kleiner aber feiner“ Mitgliedsverein

Die „Gottscheer Landsmannschaft Wien“, eine der ältesten deutschen altösterreichischen Landsmannschaften beging gestern ihr 125-jähriges Bestandsjubiläum unter Teilnahme einer ansehnlichen Delegation von Landsleuten und der Sing- und Trachtengruppe der Gottscheer Landsmannschaft Klagenfurt.

Als Vertreter des VLÖ nahm der erste stv. Präsident LAbg. a.D. Gerhard Zeihsel (mit Gattin Reinhilde) an der Veranstaltung teil. Gottscheer Lieder, Bilder, und ein reger Austausch von Erinnerungen an die alte, verlorene Heimat zeigten die noch tiefe Verbindung untereinander und die Verwurzelung mit dem Andenken an die Vorfahren.

Das Gottscheerland ist ein ca. 870 km2 großes Gebiet im Südosten des heutigen Slowenien, das Anfang des vierzehnten Jahrhunderts von Siedlern aus Osttirol und Oberkärnten im Auftrag des Grafen von Ortenburg besiedelt wurde um den karstigen, unbesiedelten Urwald  nutzbar zu machen. Im Laufe der Zeit entstanden dort 176 Ortschaften und die Stadt Gottschee. Die Bewohner bewahrten sich ihre mittelalterliche Sprache, Gebräuche, Tracht und Liedgut die sie untereinander auch heute noch verwenden. 1792 wurde das Ländchen unter dem Fürstengeschlecht der Auersperg zum Herzogtum erhoben.

Geschichte des Vereins

Die Gründung des „Vereins der Deutschen aus Gottschee in Wien“ am 30. März 1891 war der Ausdruck einer Reihe von speziellen Umständen mit denen die Gottscheer Volksgruppe gelebt hat.

Zum einen war dies das Hausierpatent, das Kaiser Friedrich III. schon 1492 den Bewohnern der Gottschee verliehen hat und in dessen Ausnützung viele junge Gottscheer durch die Lande der Habsburger wanderten um sich ein Zubrot zum kargen Leben in der Heimat zu verdienen. Dabei sind auch viele in der Fremde sesshaft geworden und haben sich meist als Kaufleute Anerkennung und Wohlstand erworben. Ab 1850 nutzten viele die mühsame Reise über den Atlantik um z. B. in Kohlegruben zu arbeiten.

Zum anderen war dies die durch den mühsamen Kampf, im Urwald des Gottscheer Landes die Voraussetzungen für ein Überleben zu schaffen, geförderte Tradition der gegenseitigen Hilfe und Unterstützung, die ein sehr großes Gefühl der Zusammengehörigkeit hervorrief.

Auch in Wien hatte sich schon in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts eine große Anzahl von Gottscheern niedergelassen.

So kam es 1891 zur Gründung des Vereins durch eine Gruppe ambitionierter Landsleute, zum Zwecke der (lt. § 2 der Statuten).

  • „-moralischen und materiellen Unterstützung von bedürftigen Vereinsmitgliedern und unterstützungswürdigen Landsleuten
  • Unterstützung von Wohltätigkeits- und patriotischen Unternehmungen in Gottschee und
  • der Förderung des geselligen Verkehrs zur Hebung der engeren Landsmannschaft“

Der Verein hat aus seinen Mitgliedsbeiträgen, Spenden, Einnahmen aus Gottscheer Kränzchen und Bällen (mit bis zu 500 Besuchern) bedürftige Mitglieder und in der Heimat Schulen und Studenten unterstützt und bei Katastrophenfällen (z. B.) Bränden) Hilfe geleistet. Er hat auch über zwei Jahre lang das erste Gottscheer Mitteilungsblatt vierzehntägig herausgegeben.

Bei der Gründungsversammlung wurden die Vorstandsmitglieder unter dem Vorsitz des Bank-Oberbeamten Franz Obermann (geb. 1840 in Wien) von den 54 Anwesenden einstimmig gewählt.

Im Jahr darauf betrug die Zahl der Mitglieder bereits 102 und 1894 war der Höchststand von 252 erreicht. 1903 waren es nur mehr 34, ab 1920 stieg sie durch neue Zuwanderungen auf 150.

Ab 1939 wurde die Vereinstätigkeit untersagt. 1951 wurde der Verein wieder zu Leben erweckt und hatte etwa 50 aktive Mitglieder.

Heute sind es noch 18 Mitglieder (samt 3 Neuzugängen) etwa zur Hälfte in der Gottschee und in Wien geborene, die dem Verein die Treue halten, wobei allerdings einige, krankheitsbedingt nicht mehr an den Veranstaltungen teilnehmen können.

Es besteht also weiterhin ein enger Zusammenhalt der Mitglieder, die soweit es ihnen möglich ist, auch Veranstaltungen der anderen Landsmannschaften in Österreich besuchen.

DI Karl Hönigmann, Obm.

 

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