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50 Jahre Patenschaft Klosterneuburgs

50 Jahre Patenschaft Klosterneuburg’s über Sudetendeutsche

Utl.: Dank-Ausstellung „bedeutender Klosterneuburger aus Böhmen, Mähren und Schlesien“ im Wiener Haus der Heimat.

Bei der Vernisage dieser sehr gelungenen Ausstellung am 16. Jänner 2015 im Festsaal des „Hauses der Heimat“ begrüßte SLÖ-Bundesobmann Gerhard Zeihsel Bezirksrat Mag. Klaus-Peter Herndl (FPÖ-Josefstadt), vom „Mähr-Schlesischen Heimatmuseum“ Obmann Heinz Hadwig, Kustodin Anneliese Olbrich und Mitarbeiterinnen, den Präsidenten des Verbandes deutscher altösterreichischer Landsmannschaften (VLÖ), DI Rudolf Reimann, und Finanzreferent Dkfm. Alfred Kratschmer und zahlreiche Amtswalter der Sudetendeutschen Landsmannschaft und Landsleute. Zeihsel erinnerte an das 50-jährige Patenschaftsjubiläum und die aus Dankbarkeit zusammengestellte Sonderausstellung des in der Klosterneuburger Rostockvilla seit 40 Jahren beheimateten „Mährisch-Schlesische Heimatmuseums“ (MSHM), die von den Mitarbeiterinnen mit Liebe und Geschmack hier aufgebaut wurde.

 

   

 

Obmann Hadwig stellte dann das MSHM vor, das aus einer Privatversammlung besteht, die 1918 begonnen wurde und im Jahr 1957 das „Erste österr.-schlesische Heimatmuseum“ in Wien war. 1973 übersiedelte es nach Klosterneuburg, wo es bis heute beheimatet ist. Der Bestand gliedert sich in eine Bibliothek mit Büchern, Landkarten, Ansichtskarten, Zeitschriften und Dokumenten sowie in eine volkskundliche Sammlung mit Textilien, Trachten, Weihnachtskrippen, Gemälden, Geschirr und verschiedenen Alltagsobjekten. Jährliche Sonderausstellungen zeigen themenbezogene Geschichte und Kultur von Mähren und Schlesien. Es ist ein anerkanntes Dokumentationsarchiv, das für Studien und zur Recherche gerne besucht wird (www.mshm.at).

 

Anschließend stellte Frau Olbrich die Sonderausstellung vor, in der an die jahrhunderte langen Beziehungen zwischen Klosterneuburg und den Ländern der Böhmischen Krone erinnert wird, wozu der Orden der Augustiner Chorherren wesentlich beitrug. Wie man aus dem seit 1624 geführten Chorherren-Katalog entnehmen kann, kamen zahlreiche junge Männer aus Böhmen, Mähren und Schlesien zu diesem Orden und bildeten oft im Stift einen beträchtlichen Anteil des Personalbestandes. Vor allem unter Kaiser Josef II., der in den böhmischen Ländern die meisten Klöster schließen ließ, traten viele heimatlos gewordene Chorherren in das Stift Klosterneuburg ein, das unter dem besonderen Schutz des Hauses Habsburg stand.

Nicht nur das Stift, sondern auch die Stadt Klosterneuburg war Anziehungspunkt. Viele Verwandte folgten den Chorherren als Handwerker und Lehrer. Künstler und Techniker wurden, nach Abschluss ihrer Studien in Wien, Bürger dieser Stadt.

Da kann man die Entstehung des Sudetendeutschen Platzes – der bereits 1929 aus Anlass des 10. Jahrestages des Friedensdiktates von St. Germain und die weitere Geschichte studieren. Seit 1976 befindet sich auf dem Sudetendeutschen Platz ein Gedenkstein für Anton Günther, den Volkssänger und Heimatdichter aus dem Erzgebirge und 2005 wurde ein Gedenkstein für alle Vertriebenen aus dem Sudetenland errichtet. Es werden die Bürgermeister der Stadt Klosterneuburg von 1955 bis heute vorgestellt, die alle vorbildlich die Patenschaft lebten: Georg Tauchner, Leopold Weinmayer, Karl Resperger, Gottfried Schuh und Stefan Schmuckenschlager.

Aber auch der österreischiche Bundeskanzler Julius Raab (1891 – 1964), der anlässlich seines 70. Geburtstages zum Ehrenbürger von Klosterneuburg ernannt wurde, wird auch als Karlspreisträger der SL beim großen Sudetendeutschen Tag 1959 auf dem Wiener Heldenplatz vor 300.000 Landsleuten auftreten, wo er erklärte: „Mein Vater ist ebenfalls Sudetendeutscher gewesen. Er kam in Klein-Mohrau am Fuße des Altvaters zur Welt, besuchte die Piaristenschule im Freudenthal und kam dann als junger Techiker nach Wien, wo er beim Neubau der Wiener Universität unter Heinrich Ferstel mitgearbeitet hat … Weiteres in der Ausstellung!

Es werden auch Künstler vorgestellt: Franz Rumpler (1848 – 1922), Maler und Akademieprofessor aus Tachau/Böhmen und Ferdinand Benesch (1875 – 1954) , Maler und Radierer aus Kumrovitz bei Brünn.

Im Chorherrenstift Klosterneuburg trat schon 1789 Augustin Hermann - nach der Schließung des Klosters Allerheiligen bei Olmütz – ein und übernahm in schwieriger Zeit als Stiftsdechant die Leitung, aber auch Ubald Kostersitz (1828 – 1902) aus Littau/Nordmähren, Coloman Krieger (1819 – 1888) aus Wittingau/Böhmerwald, Gustav Friedrich Piffl (1964 – 1932), Landskron im Schönhengstgau, Propst in Klosterneuburg, Fürstenerzbischof von Wien, Prof. Franz Moissl (1869 – 1946), Musikpädagoge, Johann Pius Parsch (1884 – 1954), Chorherr im Augustiner-Chorherrenstift, aus Neustift bei Olmütz, Karl Roman Scholz (1912 – 1945), Chorherr aus Mähr. Schönberg, als Hitler-Gegner am 10. Mai 1944 enthauptet.

Weiters Franz Ritter von Stockert (1822 – 1900), Stockau/Böhmerwald, Pionier des Eisenbahnwesens, Gebrüder Klein-Wisenberg aus Zöptau/Nordmähren, die bedeutendsten Eisenindustriellen der Monarchie.

Und schließlich Hans Ledwinka (1848 – 1967) aus Klosterneuburg, Pionier des Automobilbaus, dem die Tatra-Werke in Nesselsdorf im Bezirk Neutitschein seine Bedeutung verdankten. Hier war es umgekehrt, der gebürtige Klosterneuburger machte im Sudetenland Karriere.

Der Krieg stellte die Nesselsdorfer Werke vor schwere Aufgaben und Hans Ledwinka verließ den Betrieb und seine Menschen auch in der schweren Stunde der Besetzung durch die Russen nicht. Am 5. Mai 1945 wurde er jedoch von den Tschechen verhaftet und vor das Neutitscheiner Volksgericht gestellt. Die Verhandlung endete mit einem Freispruch, gegen den der Staatsanwalt Berufung einlegte. Schließlich wurde Ledwinka zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt, weil er Lastwagen für den Staatsfeind erzeugt hatte. Am 6. Juni 1951 wurde der 73-Jährige aus der Haft entlassen, enteignet und des Landes verwiesen. Erst im September 1951 landete der durch die Haft Schwerstmitgenommene mit einem kleinen Köfferchen bei seinem Sohn Erich in Steyr, wo er sich einige Monate erholen konnte.


Fotogalerie mit 76 Fotos ( kleines Bild anklicken - entsteht Diashow )

https://www.dropbox.com/sh/y180ahxjrx6u876/AACTjr2ccdWhEN6vDBOMd_12a?dl=0


KATALOG zur Ausstellung

Im 50-seitigen Katalog in A4-Format mit Bildern wird auf die angeführten Ausstellungspunkte im Detail eingegangen. Erhältlich über sloe@chello.at, Euro 12,- + Versandkosten. Direkt abholbar zu den Geschäftszeiten im SLÖ-Büro, 1030 Wien, Steingasse 25, Hoftrakt, 2. OG.

 

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