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Alfred Damm: Hranice.Historie.Lidé

Alfred Damm (Hg.)

Hranice.Historie.Lidé

Grenze.Geschichte.Menschen

Colloquium Vranov nad Dyjí  2013 – Der Tagungsband, zweisprachig

(In: Connect–Beiträge zur böhmisch-mährisch-niederösterreichischen Regionalgeschichte, Band 1, Diözesanarchiv St. Pölten, 2014), Preis:  € 15,--

3100 St. Pölten, Klostergasse 10/2.Stock, mail: archiv@kirche.at

Im April 2013   fand in Frain in Südmähren das Colloquium "Grenze/Geschichte/Menschen“ statt, das der historischen Forschung zum Grenzraum Niederösterreich/Südmähren vom 17. zum 19. Jahrhundert gewidmet war.

Bei dieser Tagung wurde versucht, die unterschiedlichen nationalen Sichtweisen zur Geschichte des Grenzraumes den Forschern der jeweils anderen Seite verständlich zu machen und Forschungsergebnisse auszutauschen. Als Ergebnis erschien Ende 2014 der vorliegende Tagungsband, der im April 2015 in der Botschaft der Tschechischen Republik in Wien präsentiert wurde.

15 Autoren verfassten ausführliche wissenschaftliche Arbeiten, die man generell unter das Motto "Regionalgeschichte und Identität - Wie Grenzen überwunden werden können" - so lautet der Titel des ersten Beitrages von Thomas Aigner, Direktor des Diözesanarchivs St. Pölten - stellen kann. Die meist ziemlich umfangreichen Aufsätze behandeln ganz unterschiedliche Themenbereiche.

Vier Beiträge beschäftigen sich mit der Geschichte und Kultur der jüdischen Gemeinden in Südmähren, vor allem in Schaffa und Nikolsburg. Einer der Initiatoren der grenzüberschreitenden Forschungstätigkeit in der Region, der Sozialhistoriker  Alfred Damm, beschreibt ausführlich am Beispiel der jüdischen Bevölkerung von Schaffa ein Problem, das bis heute alle Bewohner abgelegener Landesteile betrifft, nämlich die Abwanderung in die Metropolen, vor allem nach Wien. Jaroslav Klenovský von der Israelitischen Kultusgemeinde in Brünn bietet eine sehr interessante Übersicht über "Jüdische Denkmäler an der Südgrenze von Mähren", Pavel Kocman vom Jüdischen Museum in Prag beschäftigt sich mit den Handelsbeziehungen der Nikolsburger Juden mit Niederösterreich im 16. und 17. Jahrhundert.

Auch zwei wirtschaftsgeschichtliche Arbeiten sind in dem Sammelband über die Frainer Tagung abgedruckt: Univ.Doz. Dr. Bohumír Smutný beschreibt die "Fabriksmäßige Steinguterzeugung im Znaimer Gebiet in der 1.Hälfte des 19. Jahrhunderts", der Direktor des Südmährischen Museums in Znaim Jiří Kacetl untersucht "Entstehung und Ausbau die k.k. 'Commerzial-Straße' von Wien nach Prag über West-Mähren".

Letzterer Autor plädiert übrigens für Deutsch als Verständigungsmittel bei der grenzüberschreitenden Heimatforschung, "Englisch sei im heimatkundlichen Bereich nicht verwendbar". Damit hat Jiří Kacetl bei der Präsentation als einer von mehreren Diskussionsteilnehmern das Sprachproblem zwischen Tschechen und Österreichern angesprochen, das es früher nicht gab, als man die Sprache der anderssprachigen Mitbewohner noch - wie selbstverständlich - beherrschte.

Damit im Zusammenhang steht auch das leidige Ortsnamenproblem: Gleich am Beginn war bei der Begrüßung durch Thomas Aigner auffällig, dass nur von "Vranov", nie von "Frain" die Rede war, obwohl er mit "Znaim" kein Problem hatte, "Preßburg" bezeichnet der Diskutant zweisprachig, allerdings nicht slowakisch/deutsch, sondern als „Bratislava/Poszony“ mit dem alten ungarischen Namen. Auch in dieser Beziehung haben grenzüberschreitende Aktivitäten noch intensive Bildungsaufgaben zu bewältigen.

Als Nachteil empfindet der Rezensent auch, dass bei der Analyse vergangener und zukünftiger „Grenzerfahrungen“ – das ist der Titel eines Beitrags – die einstigen Bewohner, die deutschen – von den Diskutanten als „Deutschsprachige“ bezeichnet – Südmährer weitgehend unerwähnt bleiben, es geht ausschließlich um die Beziehungen zwischen Niederösterreichern und Tschechen. Ein betrüblicher Mangel!

Mag.Wolf Kowalski

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