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Der Wallfahrtsort Maria Hilf bei Zuckmantel

Der Wallfahrtsort Maria Hilf bei Zuckmantel

Die Gründung des Wallfahrtsortes Maria Hilf geht bis in das Jahr 1647 zurück. Eine schwangere Frau namens Anna Thannheiser soll sich im Wald bei Zuckmantel vor den einziehenden Schweden versteckt habe. Am 18. Juli 1647 sei es zur Entbindung eines gesunden Jungen unter „einer starken Tanne“ gekommen. Der Junge, der den Namen Martin erhielt, wuchs heran und bevor er starb, wollte er selbst ein Marienbild malen lassen und an seiner Geburtsstätte als Dank für die gesunde Geburt aufhängen. Erst seine Tochter Dorothea sollte nach seinem Tod seinem Wunsch nachkommen.

Im darauffolgenden Jahr soll ein Reisender sogar von einer Marienerscheinung an jenem Orte gesprochen haben. Das Gnadenbild, das einst aufgehängt worden war, soll einer Sage zufolge aus der alten Eremitenkapelle zu Einsiedel entnommen worden sein. Jene verfallende Kapelle soll Maria Hilf zu Einsiedel geheißen haben, daher auch der Name des späteren Wallfahrtsorts. Nachdem eine hölzerne Kapelle am Gnadenort gebaut wurde, wurde 1834 der Grundstein für die Kirche gelegt.

Die Einweihung erfolgte am 8. September 1842, Mariae Geburt. Während die Arbeiten an der Kirche noch in vollem Gange waren – so J. C. Hoffmann in seinem Führer durch Zuckmantel und Umgebung aus dem Jahre 1898 – habe der Erzpriester Philipp Dittrich bereits an einem Andachtsbuch mit den Erklärungen zu 103 bildlichen Darstellungen, die in der Nähe der Kirche positioniert waren, intensiv gearbeitet. Auch später wurde das Andachtsbuch noch immer gern gelesen und konsultiert. Und so vermehrten sich im Laufe der Jahre die Pilgerströme bis die Anzahl von 30 Prozessionen an einem Festtage erreicht war, wie auch der letzte Seelsorger von Zuckmantel, Gerhard Schubert in seinem Vertreibungsbericht konstatiert.

Zuckmantel hatte aber nicht nur die Wallfahrtskapelle Maria Hilf vorzuweisen. Ebenfalls bekannt bei den Pilgern war auch das Rochuskirchlein bei Zuckmantel, das sich auf dem 524m hohen Rochusberg östlich der alten Bergstadt Zuckmantel erhob. Wieder fällt die Begründung des Einods auf dem vormals benannten Steinberg in die Schweden- und in die Pestzeit 1632/33. Der damalige Pfarrer von Zuckmantel Martin Alois Berg wollte im Rahmen eines eigens anberaumten Festtags ein allgemeines Gelübde zu Ehren des heiligen Rochus ablegen und damit einen jährlich wiederkehrenden Festtag (16. August)  installieren. Ein Kirchlein sollte ebenfalls das Gelübde bekräftigen. Es sollten Jahre vergehen bis die Zuckmantler in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges das notwendige Geld gesammelt hatten und die Kapelle  erbaut war.

Noch einmal wurde das Kirchlein wiederaufgebaut, als es nach Gefechten durch den Preußenkrieg fast vollständig zerstört war. Dies geschah durch Kaiserin Maria Theresia. Schon bald sollte aber den josephinischen Verordnungen gemäß der Gottesdienst in dem ehrwürdigen kleinen Gebäude untersagt und in die Pfarrkirche verlegt werden. Diverse Rechtsstreitigkeiten bezüglich der Eigentumsverhältnisse von Kirchlein und umliegendem Weideland erhitzten die Gemüter in Zuckmantel erheblich.

Die einst blühende Wallfahrtskirche Maria Hilf, die sicherlich auch zu Recht in der Chronik Unvergessene Heimat Zuckmantel als „religiöses Herz des Freiwaldauer Landes“ bezeichnet wird, wurde am 22. November 1973 von den Tschechen gesprengt und das Areal mit Planierraupen eingeebnet. Dies bedeutete vielleicht das Aus der Wallfahrt in Zuckmantel.

Die vertriebenen Zuckmantler jedoch schafften es, gemeinsam mit anderen Vertriebenen, aus einer Barackenkirche im hessischen Trutzhain, sich einen neuen Wallfahrtsort zu schaffen. Sicherlich war es nicht mehr der gewohnte Anblick wie in Zuckmantel, doch blieben sie dem Namen Maria Hilf weiterhin treu: 1965 wurde die architektonisch herausstechende Zeltkirche in Trutzhain, auch eine Maria Hilf-Kirche in Anlehnung an die Wallfahrtskirche in Zuckmantel, eingeweiht. Ebenso wurde in Trutzhain die Quinauer Wallfahrt eingeführt, die ihren Ursprung in Quinau im Kreis Komotau / Böhmen hat. Der erste Julisonntag wurde zum Wallfahrtstag im neuen Maria Hilf.

Julia Nagel

Ergänzung zur Wallfahrtskirche Maria Hilf bei Zuckmantel

Im Jahre 1993 wurde mit dem Bau einer neuen Wallfahrtskirche begonnen.

Am 23.9.1995 wurde die Kirche und der Wallfahrtsort vom Erzbischof von Olmütz Jan Graupner und vielen hohen Geistlichkeiten aus Polen und Deutschland eingeweiht. Sehr viele Priester und über ca. 12.000 Gläubige aus der CR, Polen, Deutschland, Österreich und Slowakei feierten mit.

Das alte Bild der „Schwarzen Madonna“ wurde von polnischen Mädchen wieder gebracht, da es vor der Sprengung der alten Kirche gerettet wurde. Nach feierlicher Weihe wurde es in der neuen Wallfahrtskirche aufgehängt.


 

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