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Die Moskauer Deklaration 1943 - Stefan Karner und AlexanderTschubarjan

Stefan Karner,  Alexander O. Tschubarjan (Hg.)

Die Moskauer Deklaration 1943

"Österreich wieder herstellen"

2015, 296 Seiten, bebildert, Paperback, ISBN 978-3-205-79689-3. Preis: Euro 34.90  

Böhlau Verlag Wiesingerstraße 1, A-1010 Wien Tel.: 0043 (0)1 330 24 27,

Fax: 0043 (0)1 330 24 32

E-Mail: info@boehlau-verlag.com                www.boehlau-verlag.com

Ein neues Buch über die rechtlichen Grundlagen des Wiedererstehens Österreichs

Am 30. Oktober 1943 trafen sich überhaupt zum ersten Mal während des 2. Weltkrieges die Außenminister der Alliierten, Anthony Eden (GB), Cordell Hull (USA) und Vjaceslav M. Molotov (UdSSR) zu einer Konferenz über aktuelle und langfristigen Ziele der Anti - Hitler Koalition. Nach den Niederlagen der Achsenmächte in Stalingrad und Nordafrika schien ein Sieg der Koalition nahe und eine abgestimmte Zukunftsplanung war erforderlich geworden. Neben Anderem war auch die Zukunft Österreichs ein bestimmendes Thema.

Das Buch basiert auf zwei in Moskau und Wien im Oktober 2013 durchgeführten Tagungen der Österreichisch-Russischen Historikerkommission. Die Initiative dafür ging aus vom Österreichischen Ludwig Boltzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung und der Russischen Akademie der Wissenschaften und vereint eine Reihe von Experten, ihre Sicht einzubringen.

In jener Moskauer Konferenz 1943 erklärten die 3 Außenminister u.a. ihren Willen, nach einem Sieg über Hitler-Deutschland, Österreich als Staat wiederherzustellen. Tatsächlich kann man den Annex 6 zum Schlussprotokolls dieser Erklärung als Geburtsurkunde der heutigen Republik Österreich ansehen: "Die Regierungen...sind darin einer Meinung, dass Österreich, das erste freie Land, das der typischen Angriffspolitik Hitlers zum Opfer fallen sollte, von deutscher Herrschaft befreit werden soll"... Allein in diesem Satz liegen 3 Wurzeln für gewünschte schlussfolgernde Interpretationen: eine Legitimation der Opferrolle Österreichs für das spätere Selbstverständnis, eine politisch - militärische Absichtserklärung zur Befreiung und eine völker- und staatsrechtliche Logik.

Diese Wurzeln sind in den vergangenen 70 Jahren nach Belieben für verschiedenste Zwecke politischer, wirtschaftlicher und ethischer Natur benutzt worden. Die Initiative zu dieser Zukunftsplanung für Österreich ging von britischer Seite aus und schloss auch den Status einer "Donaukonföderation" mit ein, um die Lebensfähigkeit des neuen Staatengebildes zu sichern. Bereits am 21.1.1941 wurde von der britischen Geheimdienstmitarbeiterin Evelyn Stamper ein erster Strategieplan zur Wiederherstellung Österreichs als ein von Deutschland - das geschwächt werden sollte - unabhängiger Nationalstaat entworfen. Auch forderten die Briten, Südtirol, oder zumindest einen Teil davon an Österreich anzugliedern, was aber von den Sowjets auf Druck der in Moskau weilenden italienischen Kommunisten verhindert wurde.

Ebenso lehnten die Sowjets eine Donaukonföderation als mögliche Bedrohung vehement ab. Diese späte britische Forcierung Österreichs ist überraschend, da die De-facto Anerkennung des "Anschlusses" durch London sofort im April 1938 durch die Umwandlung der britischen Gesandtschaft in Wien in ein Generalkonsulat erfolgte.

Die vorliegende Arbeit wird durch eine "Podiumsdiskussion" am Schluss ergänzt und bietet interessante Dokumente und Originalfotos der Konferenz. Die Aussagen sind ausgezeichnet mit Quellenangaben direkt zum Text unterlegt und erklären bestens viele Zusammenhänge. Ein wichtiges Informationsdokument für jene, die genau wissen wollen, wie das heutige Österreich begann, seine Gestalt anzunehmen.

Erich Chladek

 

 

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