Sie sind hier

Disput in der Tschech. Botschaft

 

Buchpräsentation in Tschechischer Botschaft geriet durch „politisierende Historiker“ in Schieflage
Freie Meinungsäußerung zu Zweisprachigkeit der Ortsnamen in Botschaft möglich


Die Botschaft der Tschechischen Republik und der Böhlau Verlag luden für gestern in die Wiener Botschaft in die Penzinger Straße ein. Hier wurde das von Andrea Brait und Michael Gehler herausgegebene Buch „Grenzöffnung 1989 – Innen- und Aussenperspektiven und die Folgen für Österreich“ vorgestellt.

Nach der Begrüßung durch den Hausherren Jan Sechter, dem Botschafter der Tschechischen Republik, sprach auch Juraj Macháč, der Botschafter der Slowakischen Republik. Dieser nützte die Begrüßungsworte allerdings zu einem mitgebrachten Vortrag, der u. a. durch die slowakische Einsprachigkeit von Bratislava oder die Völkerschlacht von Slavkov auffiel -  denn für das historisch gebildete Publikum in Wien wäre auch Preßburg und Austerlitz angebracht gewesen!

Aber aus Respekt vor seiner Exzellenz blieb auch Gerhard Zeihsel, der Bundesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Österreich (SLÖ) noch ruhig, obwohl schon leichte Unruhe im Kinosaal der Botschaft zu spüren war.

Dr. Andrea Brait von der Universität Wien stellte das Buch mit seinen zwanzig Beiträgen umsichtig vor, in dem in vielfältigen Analysen die Folgen des Revolutionsjahres 1989, die sich für Österreich ergaben, behandelt werden. Geschrieben von nationalen und internationalen Experten aus fünf europäischen Staaten, die die politischen, wirtschaftlichen und diplomatischen Entwicklungen beleuchten, sowie die historische Bedeutung der Grenzeröffnung 1989 – 25 Jahre danach – herausarbeiteten.

Die auf Medienanalysen, Experteninterviews und klassischen Aktenstudien basierenden Texte befassen sich neben der nationalstaatlichen Ebene auf jener der Europäischen Union auch mit den Folgen der Grenzeröffnung im Sinne einer Innenperspektive, also für die österreichischen Bundesländer und regionalen Kontakte.

Es folgte eine Diskussionsrunde am Podium mit den angekündigten interessanten Teilnehmern: Dr. Simon Gruber, Bratislava International School of Liberal Arts, Dr. Miroslav Kunštát, Karls-Universität Prag und Dr. Karl Peterlik, Botschafter i. R. moderiert von Univ.-Prof. Dr. Michael Gehler, Universität Hildesheim. Dieser versuchte durch gezielte Fragen das Vorfeld – wie es zu 1989 kam – von den Diskussionsteilnehmern behandeln zu lassen.

Für Dr. Peterlik begann es mit Gorbatschow und der Perestroika – wo Moskaus zentraler Einfluss auf die Satellitenstaaten schwand und sie mehr auf sich gestellt waren. Orthodoxe KP-Kreise in Prag versuchten gegenzulenken. Österreich förderte die von Dr. Peterlik erwähnte Entwicklung durch verstärkte Besuchdiplomatie.

Dr. Kunštát stellte die Veränderungen des Rechtssystems und der Wirtschaft fest – Joint Venture-Betriebe begannen, Vergangenheitsfragen wie Vertreibung der Sudetendeutschen, Beneš-Dekrete waren nicht mehr Tabu.
 
Dr. Gruber erinnerte an den Marsch am 10. Dezember 1989, der 130.000 Slowaken von Bratislava nach Hainburg, NÖ, marschieren ließ; - zum Einwurf von Zeihsel, dass wir in Wien von Preßburg sprechen, meinte dieser „hochwissenschaftlich“: „…nach der Umbenennung 1919 (Gründung der 1. ČSR) vom slowakischen Prešporok auf Bratislava gäbe es keine deutsche Bezeichnung für Bratislava mehr!

Er gab dann allerdings doch zu, dass die Österreichische Botschaft noch immer in Preßburg residiere! (Inzwischen haben wir erhoben, dass Dr. Gruber bei der Österreichischen Botschaft in Preßburg beschäftigt ist!)


Als dann auch Dr. Gehler bei Bratislava blieb, musste er sich von Zeihsel als „politisierender Historiker“ bezeichnen lassen! Schließlich forderte ein jüngerer Mann beide Botschafter auf – Zeihsel, der schon seit Jahren mit solchen Meinungen störe - das zu verhindern.
 

Tatsache ist, dass zumindest Botschafter Jan Sechter auch die Verwendung historischer deutscher Ortsnamen pflegt und nichts diesbezüglich ideologisiert.


Zuletzt – nach der Publikumsdiskussion – betonte noch Dr. Gehler die Wichtigkeit von Zeitzeugenwahrnehmungen, wie die von Dr. Peterlik, da man nicht alles aus Dokumentationen und Medien ersehen kann.
 
Zum Abschluss dieser sonst sehr interessanten Buchpräsentation erinnerte Botschafter Sechter an die Funktion von Büchern als Rückspiegel im Auto – wo man durch die Windschutzscheibe nach vorne schaut! Bei einem Empfang bei Speis und Trank konnten in guter Atmosphäre noch viele interessante Gespräche geführt werden.
 
 
Sudetendeutscher Pressedienst (SdP)                                          
Redaktion, Herausgeber, Medieninhaber:                                          
Sudetendeutsche Landsmannschaft in Österreich (SLÖ)                   
Bundespressereferat: A-1030 Wien, Steingasse 25                          
Telefon: 01/ 718 59 19, Fax: 01/ 718 59 23,

E-Mail: pressedienst@sudeten.at, www.sudeten.at

Bereich: 

Theme by Danetsoft and Danang Probo Sayekti inspired by Maksimer