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Dr. Lothar Höbelt: Italien - 1. Weltkrieg

Montag, 23. November 2015, 19 Uhr

Univ.-Prof. Dr. LOTHAR HÖBELT
„Die Rolle Italiens vor und während des Ersten Weltkrieges“
 
 
Universitätsprofessor Dr. Lothar Höbelt
 
1991 habilitierte er sich und erhielt die venia legendis für Neuere und Neueste Geschichte. Im Jahre 1997 wurde Dr. Höbelt zum ao. Universitätsprofessor für Neuere Geschichte an der Universität Wien bestellt.

Dr. Höbelt nahm aber auch weitere Lehraufträge an anderen in- und ausländischen Institutionen wahr. So wirkte er als Lehrbeauftragter der Summer School der University of New Orleans (USA) und am Linfield College (Austro-American Institute of Education) sowie als Gastdozent an der University of Chicago. Seit 2001 ist  Dr. Höbelt auch Vortragender an der Theresianischen  Militärakademie in Wr. Neustadt.
 
Forschungsschwerpunkte sind die Politik- und Verfassungsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts sowie der Dreißigjährige Krieg. Dr. Höbelt ist Autor vieler Bücher und Verfasser von zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten und Beiträgen.
 
Lothar Höbelt wurde am 30. Juni 1956 in Wien geboren. Er studierte Geschichte, Wirtschaftsgeschichte und Anglistik an der Universität Wien.
 
Ein Forschungsauftrag führte ihn 1979/80 nach Großbritannien. Ab 1980 war er Assistent am Institut  für Geschichte der Universität Wien. Im Jahre 1981 erfolgte seine  Promotion sub auspiciis praesidentis.
 
 
Die Rolle Italiens während des Ersten Weltkrieges
Nach dem Berliner Kongreß (1878), der Österreich-Ungarn die Verwaltung des (damals türkischen) Bosnien-Herzegowina übertrug, versuchte der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck ein neues Bündnissystem aufzubauen. Im Oktober 1872 schufen das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn den „Zweibund“.
 
Dieses Defensivabkommen sah vor, dass bei einem Angriff Russlands auf einen der beiden Vertragspartner der andere Partner dem Angegriffenen mit der gesamten Kriegsmacht beizustehen habe. Im Falle des Angriffs eines anderen Staates solle zumindest wohlwollende Neutralität eingehalten werden.
 
Das Bündnis wurde auf fünf Jahre abgeschlossen; es sollte sich jeweils um drei Jahre verlängern, wenn dagegen kein Einspruch erhoben werde. Österreich-Ungarn war aber nicht verpflichtet, Deutschland gegen Frankreich zu unterstützen.
 
In dieser Zeit hatte Italien an der „Aufteilung Afrikas“ großes Interesse. Sein Konkurrent war – vor allem in Nordafrika – Frankreich. Um für seine kolonialen Bestrebungen Rückhalt zu erhalten, trat es im Mai 1882 dem Zweibund bei, der damit zum „Dreibund“ wurde.
 
Über Wunsch Italiens wurde in den Bündnisvertrag eine Klausel aufgenommen, der zufolge Italien keine Teilnahmeverpflichtung gegen Großbritannien habe. Auch Rumänien war zeitweise in den Dreibund eingebunden. Vor allem die Annexion von Bosnien-Herzegowina durch Österreich-Ungarn (1908) ließen die Beziehungen zu Italien etwas abkühlen.
 
Bei Beginn des Ersten Weltkrieges erklärte Italien seine Neutralität. Nach italienischer Ansicht war keine Beistandspflicht gegeben, da Österreich-Ungarn und Deutschland nicht angegriffen wurden, sondern selbst ihren Gegnern den Krieg erklärt hatten. Interventionen Deutschlands und Österreich-Ungarns blieben erfolglos.
 
Italien stellte sogar „Kompensationsforderungen“. Es beanspruchte das Trentino, Triest und Istrien. Diese Forderungen wurden von Österreich-Ungarn zunächst abgelehnt; dann zeigte man sich aber doch bezüglich des Trentino als gesprächsbereit.
 
Frankreich und Großbritannien bekundeten hingegen volles Verständnis für die italienischen Forderungen. Im „Londoner Vertrag“ (26. April 1915) wurde Italien versprochen, dass es im Falle einer Teilnahme am Krieg auf der Seite der Entente Tirol bis zum Brenner, Triest und Istrien, aber auch das nördliche und mittlere Dalmatien sowie weitere „Kompensationen“ im Mittelmeer und Ostafrika erhalten werde. Diese Zusagen wurden nach Kriegsende nur teilweise erfüllt.
 
Italien erklärte Österreich-Ungarn am 23. Mai 1915 den Krieg. Die Kriegserklärung an Deutschland erfolgte erst im Jahre 1916. Es folgten dreieinhalb Jahre erbitterter Gebirgskrieg – 12 Isonzo-Schlachten und drei Piave-Schlachten.
 
Nahezu eine Million Soldaten (650.000 Italiener und 300.000 Österreicher) verlor an dieser Front ihr Leben. Der Kriegseintritt Italiens auf der Seite der Entente wird als „Wende“ im Ersten Weltkrieg angesehen, der letzten Endes kriegsentscheidend war.
 
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