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Ernst Mach - Physiker, Philosoph, Psychologe

 

Zum Gedenken an den Brünner Physiker, Philosoph und Psychologen Ernst Mach

Der am 18. Februar 1838 in Chirlitz-Turas bei Brünn geborene Ernst Mach wuchs in der Obhut und schulischen Erziehung seiner Eltern, Johann – Gutsbesitzer – und Josepha in Untersiebenbrunn bei Wien auf. Naturbeobachtungen und die Lektüre klassischer Werke standen auf dem Erziehungsprogramm – letzten Endes setzten sich die Naturwissenschaften bei dem kleinen Ernst durch.

Als „sehr talentlos“ im Benediktiner-Gymnasium Seitenstetten eingestuft, verließ er bereits nach einem Jahr diese Schule wieder und wurde weiterhin von seinem Vater unterrichtet bevor er eine Lehre zum Kunsttischler machte. Nach der Matura im Piaristen-Gymnasium Kremsier (Mähren) schrieb er sich 1855 für das Studium der Mathematik und Naturwissenschaften in Wien ein, wo er sich 1861 auch habilitierte.

1864 erhielt Mach den Ruf auf den Lehrstuhl für Mathematik der Universität Graz, 1866 war er Inhaber des Lehrstuhls für Physik. 1867 erfolgte der Ruf auf den Lehrstuhl für Physik (Professor für Experimentalphysik) an der damals noch nicht geteilten Universität Prag, wo er als Rektor die Teilung der Universität 1882 erlebte.

Nach Wien ging er auf den neugeschaffenen Lehrstuhl für „Philosophie, insbesondere Geschichte der induktiven Wissenschaften“ als Nachfolger des Philosophen Franz Brentano (1838-1917). Angeschlagen von den Folgen eines Schlaganfalls konnte er ab 1898 keine Lehrveranstaltungen mehr geben, was dazu führte, dass Mach 1901 offiziell von seiner Professur zurücktrat. 1913 zog er zu seinem Sohn Ludwig nach Vaterstetten und verstarb dort 1916.

Ernst Machs Haltung zum Verhältnis von Religion und Wissenschaft kommt besonders gut in einem Brief (Slaten(eg)g, 5.8.1878) an den jüdischen Schriftsteller, Erfinder und Sozialphilosophen Josef Popper-Lynkeus aus dem mittelböhmischen Kolín zum Ausdruck. Darin beschreibt Mach – auf Nachfrage von Popper – sein subjektives Verhältnis zur Religion folgendermaßen:

„Was meinen subjectiven Standpunkt betrifft, so führe ich an, dass mir und meinen beiden Schwestern [Octavia Engelhart und Marie Mach] die Religion nur als etwas Historisches geboten wurde ohne allen Zwang. Wir waren deshalb auch schon sehr früh im Reinen. Da ich die drei letzten Jahre im Gymnasium [Piaristen-Gymnasium Kremsier] öffentlich studierte, musste ich gegen meine Ueberzeugung  alles mitmachen und daher habe ich einen gewissen Ekel vor Kirchenduft, Kruzifix, Weihrauch u.s.w. zurückbehalten. Im Ganzen aber bringe ich nicht jenen Hass mit, welchen Leute in den „Culturkampf“ bringen, die mit grosser Mühe sich Aufklärung verschafft haben.“ (Mach an Popper, 5.8.1878)

Als einen „Ekel vor dem Kruzifix“ beschreibt Mach sein persönliches Verhältnis zur Religion und bringt im selben Brief auch sein Unverständnis und seine „Empörung“ über den Religionsunterrichtszwang zum Ausdruck. Dennoch glaubt er „über Religion so objektiv zu urteilen, wie wenn ich die Sache vom Monde aus betrachten würde.“ [ders.]. Mach sieht in der Zusammengehörigkeit, im Zusammengehörigkeitsgefühl,  die Hauptquelle aller Religion und allen Aberglaubens.

Seine jedoch in Bezug auf das Verhältnis von Wissenschaft und Religion wichtigste Maxime im Brief an Popper lautet:

„Die allmählige Ersetzung der religiösen Vorstellungen und des religiösen Instinktes durch wissenschaftliche Einsicht ist nicht nur wünschenswert und notwendig, sondern findet tatsächlich statt. Verbreitung des sachrichtigen Denkens ist hiezu das beste Mittel.“ (Mach an Popper, 5.8.1878)

Zugleich hält Mach aber auch das „Verdrängen der Religion in rascherem Masse, als man sie durch Einsicht ersetzen kann“  nicht für billig.

Aus dem Werdegang und lediglich dem einen zitierten Brief von Ernst Mach an Josef Popper-Lynkeus vom 5.8.1878 sehen wir: Der Naturwissenschaftler und Philosoph aus Mähren war nicht nur ein hervorragender Physiker, der einen bedeutenden Beitrag zur Relativitätstheorie beisteuerte - Mach wusste auch vernünftig über das Verhältnis von Glaube und Wissenschaft nachzudenken; beachtenswert ist hierbei vor allem seine agnostische Geisteshaltung. Dabei darf nicht vergessen werden, dass seine Prinzipien auch vor dem historischen Hintergrund der Aufklärung des Kulturkampfes betrachtet werden müssen.

Er gehörte zu jenen Wissenschaftlern, die sich nicht „nur“ in ihre Fachrichtung vergruben, sondern den Blick auch auf Nachbarwissenschaften richtete; so besetzte er zeitweise den Lehrstuhl für Mathematik, für Physik und schließlich auch für  Philosophie, insbesondere Geschichte der induktiven Wissenschaften.

Ernst Mach wurde für seine unzähligen Verdienste die Ehrendoktorwürde der Universität Tübingen verliehen. Daneben war er Mitglied der Leopoldina und der Akademie der Wissenschaften Wien, München und Göttingen sowie im österreichischen Herrenhaus. Außerdem war Mach 1905 Träger des Maximilians-Orden für Wissenschaft und Kunst. Die Tatsache, dass die Mach-Zahl und auch ein Mondkrater nach ihm benannt sind  sowie die Ernst-Mach- Medaille in Physik, die von der Tschechischen Akademie der Wissenschaften vergeben wird, runden Machs Auszeichnungen und Ehrenwürden ab.

Zu seinen Werken zählen unter anderem: Einleitung in die Helmholtzsche Musiktheorie (1866), Grundlinien der Lehre von den Bewegungsempfindungen (1875), Leitfaden der Physik für Studierende, gemeinsam mit G. Jaumann (1891), Erkenntnis und Irrtum. Skizzen zur Psychologie der Forschung (1905), Die Leitgedanken meiner naturwissenschaftlichen Erklärung und ihre Aufnahme durch die Zeitgenossen, in: Scientia 10 (1910) sowie viele weitere.

Ernst Mach verstarb am 19. Februar 1916 in Vaterstetten.

Julia Nagel

 

 

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