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Fürstentum Lichtenstein und Tschechische Republik

Vereinbarungen mit Liechtenstein wären besser als gerichtliche Lösungen

Utl.: Interview mit dem Historiker Václav Horčička in der Wirtschaftszeitung

In Hospodářské noviny vom 24.11.2015, spricht in einem Interview Horčička über die sich endlos ziehenden Gespräche des Fürstentums Liechtenstein mit der Tschechischen Republik über die Vergangenheit und Zukunft der beiderseitigen Beziehungen.

Seit Anfang der 90er-Jahre waren die Beziehungen zwanzig Jahre eingefroren. Erst dann konnten diplomatische Beziehungen angeknüpft und eine Historiker-Kommission Liechtenstein-Tschechische Republik gegründet werden.

Horčička stellte die Geschichte des adeligen Geschlechts dar. Bereits nach der ersten Bodenreform nach dem 1.Weltkrieg verlor in der 1. ČSR Liechtenstein viel von seinem Eigentum. Im Jahr 1945 kam es zu einer totalen Enteignung auf Grundlage der Beneš-Dekrete.

In der Zeit der KP-Regierungen wurden 1949 die Schweiz und im Jahr 1974 die österreichischen Staatsbürger von vor 1938, entschädigt, im Falle Liechtenstein wurde nichts getan.

Aus Sicht der Liechtensteiner wurden zu Unrecht die Beneš-Dekrete angewendet, die Familienmitglieder betrachten sich als Staatsbürger Liechtensteins.

1968 versuchte der regierende Fürst Franz Josef mit der tschechoslowakischen Regierung zu sprechen, er protestierte auch gegen die Besetzung des Landes durch die Sowjets. Es half nichts, danach erfolgte die Ernennung des KP-Regimes und bis 1989 blieb alles beim Alten. Auch unter der demokratischen Tschechischen Republik war man nicht bereit am aktuellen Zustand der Verhältnisse zu Liechtenstein etwas zu tun.

Erst mit ČR-Außenminister Karel Schwarzenberg kam etwas Bewegung in die Angelegenheit. Aber auch in den nächsten Jahren war jeder Schritt schwierig, die ČR-Regierungen haben eine Änderung der bisherigen negativen Linie kaum unterstützt.

Die Erforschung der beiderseitigen Beziehungen durch Historiker, wurde meist nur von der Seite Liechtensteins finanziert. Horčička meint in dem Interview, wenn man mit der Schweiz und Österreich zu einer Einigung kam, müßte eine Einigung mit dem viel kleineren Liechtenstein schon längst möglich sein! Die geringere Bedeutung der wirtschaftlichen Rolle des Fürstentums könne eine Rolle spielen.

Es geht um Liechtenstein, seine fürstliche Familie und noch um über 30 Personen mit der Staatsbürgerschaft Liechtensteins, die bis heute nicht entschädigt wurden.

Die letzte Gerichtsverhandlung, wo es nur um einige Grund-stücke in der Nähe von Prag ging, betrachtet Liechtenstein eher als eine Angelegenheit, um gemeinsam zum Verhandlungstisch zurückzukehren und eine Lösung nach einem mehr wie halben Jahrhundert dauernden Streit zu finden. Oder man überlasse die Angelegenheit dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag.

Horčička rechne, dass Liechtenstein aus heutiger Sicht in der Tschechischen Republik Eigentum im Wert von 1 bis 1,5 Milliarden Schweizer Franken verloren hat. Wenn es um ein Viertel der Summe gehen sollte, dann käme man auf 300 Millionen Franken.

 

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