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Gedenken an Schriftsteller Otto Fischer ( "Rübezahl" )

100. Todestag  des Schriftstellers Otto Fischer aus Bärn

Utl.: Bei seinem literarischen Wirken vergaß er nie seine mährische Heimat

Am 8. Februar 2015 jährt sich zum hundertsten Male der Todestag des Journalisten Otto Fischer aus Mähren, eines heute weitgehend unbekannten, für seine Zeit jedoch sehr renommierten Schriftstellers Otto Fischer wurde am 3. Oktober 1872 in Bärn in Nordmähren als erster Sohn des Juden  Josef Fischer und seiner Frau Bertha Kraus geboren. Obwohl die Eltern von drei Söhnen bodenständige mittelständische Bürger in Bärn waren – der Vater war von Beruf Mehlhändler – zog es zumindest zwei der drei Brüder Fischer in die Musik- und Literaturszene nach Wien und Berlin.

Während der jüngere Bruder Karl  später Musikkritiker und –lehrer  sowie Inhaber eines Theaterverlags wurde, nahm Otto zunächst ein Literaturstudium in Wien auf. 1907/08 war er als Dramaturg der Anstalt für Aufführungsrecht dramatischer Werke der Literatur und Musik in Berlin beschäftigt und schon ab 1909 übernahm er die Leitung der dramaturgischen Abteilung eines Theaterverlages, dessen Inhaber er später wurde. Zu seinen journalistischen Tätigkeiten zählte die Redaktion der Berliner Morgenpost, Kürschners Jahrbuch und Kürschners Bücherschatz. Außerdem redigierte er die Zeit in Wien. Daneben war er ständiger Mitarbeiter der Nationalzeitung in Berlin.

Schon 18jährig veröffentlichte Fischer seinen ersten Einakter, später gab er die Reihe Deutsche Dramen der Gegenwart heraus. Oft auch unter Nutzung seines Pseudonyms Otto Berti veröffentlichte er in der Folge zahlreiche Einzelbeiträge und dramatische Skizzen, die Eingang in zeitgenössische Zeitschriften und Blätter fanden. Dazu zählen Gräfin Flor, Capriccio und Dank‘ dem Herrn Jesesle.

Seine Werke zeigen, dass Fischer seiner alten Heimat immer treu geblieben ist. Besonders das Volksdrama Waldherrschaft, das im Oktober 1903 seine Erstaufführung erfuhr, spielt in einem zeitgenössischen „nordmährischen Gebirgsdorfe“ und handelt von einer ärmlichen Holzfällergemeinde, deren Gewohnheitsrechte von der „Herrschaft“ beschnitten werden.

Eine ähnliche Bezugnahme findet sich im Drama Ein deutscher Bauer. Szenerie ist ebenfalls ein nordmährisches Gebirgsdorf um die Mitte des 19.Jahrhunderts, handelnde Personen sind „christliche Bauern“, die sich durch den Bau einer Streichholzfabrik Arbeit erhoffen, beim Gemeindevorsteher jedoch auf Widerstand stoßen. Daneben ließ es sich Otto Fischer – wie  auch der jüdische mährische Komponist Ignaz Brüll, gebürtig aus Prossnitz – nicht nehmen, das „Wahrzeichen des Riesengebirges“, die Gestalt des Rübezahls ebenfalls zum Thema eines seiner Theaterstücke zu machen.

Otto Fischer verwendete den sagenumwobenen Riesen 1902 in einem Festspiel mit Reigenaufführung unter dem Titel Rübezahl oder Eine Turmfahrt nach dem Riesengebirge. Nach einem kurzen, aber journalistisch sehr erfüllten Leben starb Otto Fischer bereits am 8. Februar 1915 im Alter von 42 Jahren in Berlin. Seinem jüdischen Glauben blieb Fischer nur bis zu seinem 18. Lebensjahr treu. 1898 trat er aus der Jüdischen Gemeinde aus.

Mit Otto Fischer alias Otto Berti besaß die sudetendeutsche Volksgruppe in Mähren einen weiteren künstlerisch und literarisch begabten jüdischen Mitbürger, der mit einem ausdauernd und idealistisch geprägten Charakter seine Träume und Ziele in Wien und Berlin zu verwirklichen suchte. Dabei vergaß er niemals den Ort, wo einst seine Wiege stand: Bärn. Warum sonst sollte er seine Heimat immer wieder zum Thema seiner Schauspielstücke machen?

Beachtlich ist dabei auch, dass er mit seinen Stücken, von denen an dieser Stelle nur eine kleine Auswahl von Titeln gegeben werden kann, automatisch immer wieder auf Missstände in den Gebirgsdörfern hinweist. Schließlich handelt es sich um Dramen, die in den seltensten Fällen gut ausgehen.

Julia Nagel

 

 

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