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Heimattreffen der Böhmerwäldler am Mandelstein

Heimattreffen der Böhmerwäldler am Mandelstein im Waldviertel

Utl.: Wegtafeln am Mandelstein neu gestaltet

Anlässlich des 59.Böhmerwäldler Heimattreffens am Mandelstein bei Harbach (31. August 2014) konnte man sich von der Neugestaltung des Wanderweges durch die Gemeinden Harbach (NÖ) und Strobnitz (Horni Stropnice, CZ) überzeugen. Auf vielen Informationstafeln (Vorderseite Deutsch, Rückseite Tschechisch) werden Informationen zur Geschichte, Fauna und Flora gegeben.

Im Anschluß eine kurze Schilderung davon, sowie die für die Besucher so wertvollen Hinweise zur Vertreibung, welche hier nicht totgeschwiegen werden. Dies ist umso wichtiger, da dieser Wanderweg einerseits von vielen Kurgästen aus Harbach, von Benutzern des Weitwanderweges sowie von vielen tschechischen Familien und sehr vielen Radwandergruppen benutzt wird.

Das Projekt „Touristenradweg Via Verde“ stellt eine grenzüberschreitende Kooperation der Gemeinden Moorbad Harbach (NÖ) und Strobnitz (Horni Stropnice, CZ) dar und wurde durch die Europäische Union aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung kofinanziert.

Sowohl die Anlagen beim Parkplatz unterhalb des Aufstiegweges zum Berggipfel als auch der gesamte Wanderweg zum Gipfel wurde mit Hinweistafeln und mehrfarbigen Bild-Darstellungen zur Geschichte, Fauna und Flora der Region ausgestattet. Längs des Weges sind ausreichend Abfalleimer, Rastplätze und Landkarten zu finden. Die großen Bild- und Texttafeln sind jeweils in deutscher (Vorderseite) und tschechischer Sprache (Rückseite) gehalten.

Die Sitzbänke unterhalb der Bergkapelle wurden erneuert und bieten auch die Möglichkeit, für eine größere Personenzahl (wie zum Beispiel beim Böhmerwäldler Heimattreffen Ende August) ausreichend Sitzplätze vorzufinden.

Das Gipfelkreuz wurde erneuert und die seit einem Jahr bestehende einmalig große Aussichtplattform mit einem Fernrohr ergänzt. Eine große davor angebrachte Panoramatafel weist auf die Blickrichtung der verschiedenen Orte in Südböhmen hin (zweisprachig), die von hier aus gesehen werden können.

Die beim Gipfelkreuz angebrachten historischen Gedenktafeln der Heimatvertriebenen aus dem Böhmerwald wurden vom Böhmerwaldbund Wien wieder in einen lesbaren Zustand versetzt.

Gleich auf der ersten großen Bildtafel beim Parkplatz wird der Begriff „Heimat“ erläutert und auf das Thema „Vertreibung – Verlust der Heimat“ eingegangen. Dies ist umso bedeutender, als dieser Wanderweg von tschechischen Rad- und Wandertouristen sehr stark angenommen wird.

Nachstehend die Texte dieser beiden Beiträge.

Zum Thema „HEIMAT – Ein Begriff mit Zukunft?“ steht zu lesen:

„Ubi bene, ibi patria“ (Pacuvius 220-130 v. Chr.)

„Als “Heimat zweier Völker”, nämlich von Tschechen und Deutschen war gerade Böhmen in früheren Jahrhunderten ein wegweisendes Beispiel für eine positive, brüderlich gelebte Interpretation des Heimatbegriffs. Vor allem die politische Instrumentalisierung des Heimatbegriffs und der damit verbundenen Emotionen durch die modernen Nationalstaaten hat in den letzten Jahrhunderten für unermessliches menschliches Leid gesorgt.

Nicht zuletzt durch die Integrationsbemühungen der Europäischen Union ist es jedoch gelungen in Europa eine Phase der friedlichen Koexistenz einzuläuten, die in der Geschichte Ihresgleichen sucht. Die Karriere Europas als emotionale Heimat der Unionsbürger steckt zwar noch in den Kinderschuhen, aber das Friedensprojekt Europa befindet sich auf einem guten Weg und wer weiss, vielleicht denken schon in wenigen Generationen viele Menschen an den Planeten Erde, wenn sie von ihrer Heimat sprechen.“

Zum Thema „VERTREIBUNG – Verlust der Heimat“ steht zu lesen:

„Ohne Heimat sein heißt leiden“ (Fjodor Michailowitsch Dostojewskij 1821-1881)

„Eine der schlimmsten Erfahrungen die ein Mensch machen kann, ist der Verlust der Heimat. Von erzwungenem Heimatverlust berichtet bereits die Bibel in mehreren Passagen, so wird etwa im Buch Jeremia die Geschichte der Vertreibung der Juden aus Israel nach Babylon erzählt. Seit biblischen Zeiten haben viele Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen ihre Heimat verloren. Oft waren Naturkatastrophen oder deren Folgen Grund für erzwungene Migration. Oft hatte aber auch der Homo Sapiens seine Finger im Spiel und erzwang die Vertreibung seiner Mitmenschen aus ökonomischen oder politischen Motiven.

Im zwanzigsten Jahrhundert waren die beiden Weltkriege der Grund dafür, dass Millionen zu Flüchtlingen wurden und ihre Heimat verloren. Auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik war nach 1945 vor allem die deutsche Minderheit, die sogenannten „Sudetendeutschen“ von diesem Schicksal betroffen.

Rechtliche Grundlage für die Vertreibungen waren bzw. sind die sogenannten Beneš-Dekrete, die vom gleichnamigen Präsidenten 1945 erlassen und 1946 durch Beschlussfassung der provisorischen tschechoslowakischen Nationalversammlung rechtskräftig wurden. Die Rechtmäßigkeit und die Auswirkungen dieser Dekrete werden auch heute noch, teilweise recht emotional, diskutiert, zuletzt etwa beim Beitritt Tschechiens zur Europäischen Union.

Die Dekrete hatten zur Folge, dass mehr als drei Millionen deutschstämmige Bürger enteignet wurden und ihre Heimat verlassen mussten. In der Folge bildeten sich Vertriebenenverbände, die ihre Aufgabe darin sahen die rechtlichen Interessen der Vertriebenen zu vertreten, das Gedenken an die alte Heimat zu pflegen und die Opfer der Vertreibung zu unterstützen. Einer dieser Verbände ist die Klemensgemeinde, die auch im oberen Waldviertel aktiv ist und hier eine Gedenkstätte errichtet hat.

Weil der Mandelstein an Tagen mit guter Sicht einen Blick weit in das südböhmische Land zulässt wurde er zum „Sehnsuchtsberg“ jener, die durch die Folgen des zweiten Weltkrieges ihre Heimat verloren hatten. Es wird berichtet, dass einige von Ihnen, nachdem die Grenze dicht gemacht wurde, täglich den Mandelstein besuchten um, zumindest aus der Ferne, einen Blick auf die verlorene Heimat werfen zu können.

Das Schicksal dieser Vertriebenen ist unter anderem auch im Böhmerwaldmuseum in Wien hervorragend dokumentiert. Ganz in der Nähe des Mandelsteins findet man im Demokratieforum auf Schloss Weitra eine umfangreiche Ausstellung, die das Leben am Eisernen Vorhang ausführlich und gut aufbereitet dokumentiert.“

 

 

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