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Karl Schrammel: 70.Todestag

70. Todestag von Karl Schrammel

Anfang Feber jährte sich der 70. Todestag von Karl Schrammel, eines der Opfer des Jahres 1945,  noch vor Kriegsende. Er stammte aus Friedek, wo er am 22. September 1907 geboren wurde und zunächst auch das deutsche Gymnasium besuchte. Die Matura machte er in Mährisch-Ostrau. Er wollte ursprünglich Arzt werden, entschloss sich dann aber für den Priesterberuf.

Am 13. März 1932 erhielt er in Olmütz die Priesterweihe und wurde am 1. September 1932 Studienpräfekt im Erzbischöflichen Knabenseminar in Freudenthal. Schrammel hatte eine außerordentliche musikalische Begabung, was in der Familie lag, denn auf seinen Großvater geht die Bezeichnung „Schrammel-Musik“ zurück.

Als Präfekt war Schrammel geachtet und beliebt, wie viele seiner  Schüler bezeugen. Durch sechs Studienjahre betreute er in Freudenthal die jüngeren Klassen. Er übernahm auch die Leitung des Chores und des Orchesters der Seminaristen und förderte seine Schützlinge vor allem im Klavier- und   Orgelspiel. Der spätere Münchener Alttestamentler Prof. Dr. Josef Scharbert (1919-1998) war damals sein Schüler.

In seinen Memoiren „Fürchte dich nicht. Ich bin bei dir. Rückblick eines Theologieprofessors auf seine Jugend in chaotischer Zeit“ würdigt Scharbert seinen Präfekten: „Er war ein begnadeter Jugendseelsorger. Mit unseren persönlichen Anliegen gingen wir lieber zu ihm als zum Spiritual oder zum eigenen Präfekten.“ 1938 wurde Schrammel zum Vizesuperior des Olmützer Priesterseminars bestellt.

Die Besetzung des Sudetenlandes Anfang Oktober 1938 durch das Deutsche Reich verhinderte aber, dass Schrammel nach Olmütz gehen konnte. Stattdessen kam er nun als Vizerektor an die Philosophisch-Theologische Lehranstalt nach Weidenau in Sudetenschlesien. Weil aber am 10. März 1939 Kanonikus Franz Hobich starb, der in umsichtiger Weise das Knabenseminar in Freudenthal geleitet hatte, berief man Schrammel als Direktor nach Freudenthal. Hier erlebte der neue Direktor die Schließung des Seminars, aus dem die Nationalsozialisten ein NS-Schulungsheim machen wollten.

Dies konnte aber Schrammel verhindern, indem er das Gebäude an die Wehrmacht vermietete. Dies verziehen ihm die NS-Machthaber ebenso wenig wie seine kirchliche Jugendarbeit, die er unerschrocken weiterführte. Ein Kreis junger Menschen besuchte ihn regelmäßig, für den er Bibelstunden, religiöse Referate und Einkehrstunden hielt.

Außerdem war Schrammel Wehrmachtspfarrer für die Garnison Freudenthal. Auch betreute er das Militärlager in Lobnig und ein Lager für kriegsgefangene Offiziere in Unter-Langendorf. Gleichzeitig war er auch als Referent des neuerrichteten Seelsorgeamtes des Generalvikariates Branitz tätig.

Über diese Zeit schreibt einer seiner Schüler, der spätere Chorherr des Stiftes Reichersberg am Inn, Gerhoch Josef Schmid„Wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf uns am 7. Juli 1941 deshalb die Nachricht, Direktor Schrammel sei von der Gestapo verhaftet worden. Weil er als Jugendseelsorger standhaft und treu zu seinem Glauben und zu seiner Aufgabe stand, stempelte man ihn zum ‚Saboteur‘, um so eine Handhabe gegen ihn zu haben. Man brachte ihn zuerst ins Gefängnis nach Troppau und kurze Zeit später ins KZ Dachau. Nichts wurde unversucht gelassen, ihn wieder frei zu bekommen.

Da Direktor Schrammel auch Wehrmachtsseelsorger für die Garnison Freudenthal gewesen war, setzte sich sogar das Generalkommando des Wehrkreises Breslau für ihn ein - alles vergebens. Wer den Parteimachthabern nicht angenehm war, der hatte nach ihrer Auffassung die Daseinsberechtigung verloren und mußte verschwinden...“

Auch im KZ Dachau war Schrammel ungebrochen. Der Häftling Nr. 28.677, der er nun war, dirigierte den Chor der Lagerkapelle im Priesterblock.

Er brachte die Kraft auf, „mit Kompositionen viel dazu beizutragen, das Leid und die Trostlosigkeit des Lagerlebens für die Geistlichen ein wenig erträglicher zu machen“.  Es gelang Schrammel, Briefe über die tatsächliche Lage im KZ aus dem Lager zu schmuggeln und liturgische Geräte und Gewänder sowie eine Marienstatue ins Lager zu bringen, die seitdem als U. L. Frau von Dachau bekannt ist. Es wurde auch ein eigenes Gebet verfasst, das nun regelmäßig gemeinsam (und einzeln) gebetet wurde.

Das nach der Entdeckung der von Schrammel hinausgeschickten Geheimbriefe in Berlin verhängte Todesurteil wollte man nicht in Dachau vollstrecken, da die SS die Zeugenschaft so vieler Priester scheute.

Deshalb wurde Schrammel zur "Sonderbehandlung" nach Buchenwald verlegt. Ein tschechischer Mithäftling will Anfang Feber 1945 eine durchschossene, blutbefleckte Baskenmütze als die Schrammels erkannt haben. Wahrscheinlich wurde er durch einen Genickschuss getötet. Nach anderen Angaben wurde er erhängt.

TV-Hinweis:  Auf ZDFinfo:

ZDF-History „Kalte Heimat – Vertriebene in Deutschland“

Samstag, 7.3.2015 um 21.00 – 21.45 Uhr

http://www.fernsehplan.de/i/268282114/zdf-history-kalte-heimat-vertriebene-in-deutschland

 

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