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Leopold Museum: Theodor von Hörmann

THEODOR VON HÖRMANN

Von Paris zur Secession

Ausstellung vom 29.04. – 29.08.2016 im Leopold Museum in Wien

Theodor von Hörmann (1840–1895) war einer der ungewöhnlichsten und eigenständigsten Künstlerpersönlichkeiten des späten 19. Jahrhunderts. Das Leopold Museum präsentiert erstmals eine umfassende Ausstellung des österreichischen Künstlers, die anhand ausgewählter Werke seinen Weg vom Realisten zum Impressionisten nachvollziehbar macht.

Im Jahrhundert des Realismus suchte Hörmann eine größtmögliche Objektivität in der Interpretation von Landschaft zu erreichen, ohne dabei am rein Gegenständlichen haften zu bleiben. Im Zuge seines Frankreichaufenthaltes von 1886 bis 1890 begab Hörmann sich in Paris auf die Spuren der Maler von Barbizon, reiste in die Bretagne, in die Gegenden der damals noch umstrittenen Impressionisten, und setzte sich mit den belgischen Vertretern der Schule von Tervueren auseinander.

Mitte Jänner 1890 verlässt das Ehepaar Hörmann Paris und reist über Innsbruck und Zell am See nach Wien. Bereits im April übersiedelt das Paar nach Znaim an der Thaya. Sie mieten eine Wohnung im „Ansitz Fasching“, ein ehemaliges Gasthaus mit einem großen Garten und einem Atelier. Hörmann reicht Bilder für die Ausstellungen im Wiener Künstlerhaus ein. 1891 führte ihn sein Weg auch nach München und Dachau, das damals für seine lebendige Künstlerkolonie bekannt war.

Im Kreis der Maler Fritz von Uhde und Ludwig Dill wurde er mit deren secessionistischen Ideen bekannt und in Folge zu einem vehementen Vertreter dieser Bewegung. Gleichzeitig erhielt er von diesen deutschen Impressionisten entscheidende Impulse für sein Suchen nach einem Ausgleich zwischen der Impression des Augenblickes und der Verankerung eines scheinbar unbedeutenden Ausschnittes der Natur in eine größere symbolische Ordnung.

In seiner Malerei wie in seinem kulturpolitischen Engagement hat Hörmann neue innovative Wege beschritten und visionäre Ideen – wie die Gründung der Secession und einer modernen Galerie in Wien – als erster angesprochen und verfolgt.

Sein zu früher Tod im Jahr 1895 erlaubte es ihm zwar nicht mehr, den letzten Schritt in die Moderne mitzugehen, sein Werk aber gibt ein lebendiges und eindrucksvolles Beispiel für das Ringen um eine neue Wahrnehmung und um eine adäquate malerische Sprache im Kontext der internationalen Strömungen.

Kuratorin: Marianne Hussl-Hörmann

Theodor von Hörmann

Theodor Hörmann von Hörbach (* 13. Dezember 1840 in Imst, Tirol; † 1. Juli 1895 in Graz) war ein österreichischer Landschaftsmaler.

Theodor von Hörmann diente zunächst in der kaiserlich-österreichischen Armee und nahm am Sardinischen Krieg 1859 und am Deutschen Krieg 1866 teil. Er erreichte dabei den Dienstgrad eines Oberleutnants.

Von 1873 bis 1875 studierte er an der Wiener Akademie der bildenden Künste bei Eduard Peithner von Lichtenfels und Anselm Feuerbach. Er wurde 1875-1883 Lehrer für Freihandzeichnen und Fechten an der Militärunterrealschule in Sankt Pölten. Er bezieht eine eigene Wohnung, die er als Atelier nützt, und führt ein intensives gesellschaftliches Leben.

Er heiratete 1884 Laura Bertuch in der Votivkirche in Wien und beendete seinen Militärdienst. Laura Bertuch bringt als Universalerbin des Feldmarschalls Franz Ritter von Hauslab ein Vermögen von 150.000 Gulden in die Ehe mit ein, das dem Paar finanzielle Unabhängigkeit ermöglicht.

Danach unternahm er Studienreisen. Besonders sein Aufenthalt in Paris 1886–1890 beeinflusste ihn stark im Sinne des Impressionismus. 1890 übersiedelte er nach Znaim und kam 1893 nach Wien. Hier wurde er 1895 Mitglied des Künstlerhauses.

Auf einer Reise nach Italien starb Hörmann 1895 in Graz. Er wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof (Ehrengräber, Gruppe 31A, Reihe 2, Grab Nr. 14) beigesetzt. Sein Grabdenkmal wurde von Richard Karl Tautenhayn (* 29. März 1865 Wien, † 12. März 1947 Wien) gestaltet, der in Znaim unterrichtete.

Theodor von Hörmann war Landschaftsmaler und kann stilistisch dem österreichischen Stimmungsimpressionismus zugerechnet werden. Seine Landschaften entstanden immer nach der Natur und zeichneten sich durch eine starke Farbigkeit aus, die von seinen Zeitgenossen nicht sehr geschätzt wurde. Sie werden des Öfteren durch Figurenstaffage aufgelockert.

Unter dem Einfluss von Emil Jakob Schindler änderte er knapp vor seinem Tod widerstrebend seinen bisherigen Stil, was ihm Anerkennung einzubringen begann. Seine Bedeutung wurde aber erst nach seinem Tod in umfassender Weise gewürdigt. Hermann Bahr bezeichnete ihn als den ersten Secessionisten.

 

Und staunend wird man einmal fragen, wie es kam, dass die Maler im 19. Jahrhundert die Natur so sehen lernten, wie sie wirklich ist.

Theodor von Hörmann

 

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