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Leopold Pölzl-Brücke anstatt Benesbrücke (3)

 

Leopold Pölzl -

ein würdiger Namensgeber für die Aussiger Elbebrücke

 

 

Was ihn dort erwartete, waren 6 Jahre fortgesetzter Demütigung, Drangsal und Qual unter einer Behörde, die nie ganz von ihm abließ, wahrscheinlich sogar noch im Krankenhaus ihre Helfer hatte. – Bei seiner Rückkehr aus Prag wurde er arrestiert. Er wurde gedemütigt, musste die Straße vor dem Rathaus kehren, einem Gebäude, in dem er 17 Jahre die Behörde geleitet hatte.

Er wurde eingesperrt, mit 7 Gefangenen in einer Zelle von 10m². Während der Verhöre quälte man ihn bis an die Grenze des für ihn Erträglichen. Diese Misshandlungen trieben ihn zum Selbstmordversuch. Er schnitt sich die Pulsadern auf. Trotz großem Blutverlust und schlechter Behandlung im Spittal erholte er sich. Rudolf Lodgman von Auen intervenierte und Leopold Pölzl kam vorübergehend frei, blieb aber im Gesichtskreis der Gestapo.

Sie ließ ihn sogar nachts zum Verhör abholen. Er blieb kränklich. Wegen der Spätfolgen der Folterungen musste er im August 1944 das Aussiger Stadtkrankenhaus aufsuchen. Seinen Tod erwarteten die ihm Nahestehenden nicht. Aber am 1. September hatte er einen Herzstillstand. Sein unerwarteter Tod blieb bis heute mysteriös.

Für Leopold Pölzl war es das Ende, für seine Freunde und Mitbürger nur eine letzte Etappe seiner Tragödie. Die Behörde versuchte, das Begräbnis geheim zu halten. Dennoch konnte sie nicht verhindern, dass eine große Menschenmenge ihm die letzte Ehre bei der Beisetzung am Aussiger Stadtfriedhof erwies.

Es war eine verdeckte antifaschistische Kundgebung, der auch Tschechen beiwohnten, die noch wussten, welche Verdienste sich Pölzl für den deutsch-tschechischen Ausgleich erworben hatte. Um weitere Kundgebungen an seinem Grab zu vermeiden, entführte die Gestapo die Urne und versteckte sie in einem Massengrab in Schreckenstein. Wenigstens zweien seiner sozialdemokratischen Freunde blieb dieser Ort nicht verborgen.

In den Wirren der Nachkriegszeit, als sie sahen, dass auch für sie als Sozialdemokraten die Vertreibung unausweichlich war, entführten sie die Urne nach Niederösterreich. 1948 wurde Leopold Pölzl in Hohenberg nur unweit von St. Aegyd ein zweites Mal bestattet. Dort hatte er einige seiner Jugendjahre verbracht. 1964 wurde seine Ehefrau Anna an seiner Seite beigesetzt. Leider ist diese Grabstätte inzwischen aufgelassen.

Noch einmal zurück zu Leopold Pölzls Zeit des Leidens in Aussig. Es waren just die Jahre, in der Dr. Edvard Beneš in seinen Geheimabsprachen mit drei der vier Alliierten die Voraussetzungen dafür schuf, dass nach dem Umsturz am 8. Mai 1945 die wilde Vertreibung so folgenschwer einsetzen konnte.

Sie wirkte sich für Aussig und die Umgebung besonders grausam aus. Man denke nur an solche Ausschreitungen wie das Aussiger Massaker, die fortgesetzte Gewalt im Lager Lerchenfeld und die Heimsuchungen in den Dörfern der Umgebung durch die sogenannten Partisanen.

Es war dies somit die Zeit, als aus dem Präsidenten der ČSR, den Leopold Pölzl 1936 noch mit dem Namen für die Brücke ehrte, der Präsident wurde, der die Katastrophe der Vertreibung über die Deutschen der ČSR brachte. Dr. Beneš mag politische Verdienste für die CSR haben, als Namensgeber für die Brücke, die sogar noch im Mittelpunkt eines von ihm augurierten Massakers stand, ist er sicher ungeeignet.

Fazit: Der Magistrat der Stadt Ústí sollte den Mut zu dieser längst anstehenden Namensänderung haben. Nicht jede Stadt dieses Zuschnitts hat eine historische Persönlichkeit, die sich so viele Verdienste erworben und um ihretwillen so viel gelitten hat und dennoch so integer war. Um ihrer Zukunft willen kann Ústí stolz sein, die Brücke nach Leopold Pölzl benennen zu können.

Gerolf Fritsche


Pädagogischer Arbeitskreis Mittel- und Osteuropa PAMO Hessen

Gerolf Fritsche, Oppelner Str. 8, 63071 Offenbach, 069-853994

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