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Massaker von Prerau/Prerov

Vor 70 Jahren:

Das Massaker an 247 Karpatendeutschen in Prerau

Der Bericht über die Ermordung  von 247 Karpatendeutschen aus der Zips in Prerau in der Nacht vom 18. zum 19. Juni 1945 wurde auf Grund von Aussagen einiger Überlebender von Professor Dr. Johann Liptak zusammengestellt, in den Südostdeutschen Heimatblättern, Jhg. IV, Folge 2, München 1955, Seite 87 ff, veröffentlicht und im Karpatenjahrbuch, Stuttgart 1965, Seite 85-97 abgedruckt.

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Nicht nur die Internierungslager für die Deutschen, sondern auch der Mord von Prerau stehen dafür, dass in Kriegszeiten andere Gesetze gelten, an die sich die Nachwelt in Abscheu erinnert. Die Exekution von Prerau erfolgte nach Kriegsende.

Prerau (tschechisch: Prerov) ist ein bekannter Bahnknotenpunkt in Mähren. Dort wurden in der Nacht vom 18 auf den 19. Juni 1945 – sechs Wochen nach Kriegsende – 247 Karpatendeutsche bestialisch ermordet.

Zum Verständnis dieses schrecklichen Vorganges muß zunächst erwähnt werden, daß große Teile der karpatendeutschen Bevölkerung infolge des Herannahens der Kriegsfront Anfang 1945 aus der Slowakei nach Böhmen, Mähren und Schlesien evakuiert wurden und nach Kriegsende dort in Sammellagern untergebracht waren, die Lagerinsassen bemühten sich aber, je eher in ihre alten Wohnsitze zurückzukehren.

Sie bewirken, daß mit Erlaubnis der tschechischen Lagerleitung und unter strenger Kontrolle geschlossene Eisenbahntransporte für sie zusammengestellt wurden um die Heimreise in die Slowakei mit dem verbliebenen Gepäck anzutreten. Es war daher eine sehr fadenscheinige Begründung der Prerauer Vorkommnisse seitens der tschechischen Organe, wenn behauptet wurde, daß die Rückkehrer Gewehre und Wehrmachtsuniformen im Zuge mit hatten. Der Transport bestand übrigens nur aus Frauen, alten Männern und Kindern, die Zahl der jungen Männer war gering, wehrfähige oder politisch exponierte Personen gab es unter ihnen nicht.

Am besagten Tage trafen Transporte aus Saaz, Georgswalde und anderen Orten in Prerau ein. Was sich dort abgespielt hat, dafür können einige aus dem Zug noch rechtzeitig ausgestiegene oder zu jener Zeit am Bahnhofe sie aufhaltende Frauen als glaubwürdige Augenzeugen genannt wurden: Justine Lindak aus Dobschau, der es gelungen war, sich am Bahnhof hinter Kisten zu verstecken und somit ihr Leben zu retten, während ihr Mann an diesem Tag erschossen wurde, Margarete Schmidt aus Mühlenbach in der Zips, Margit Lichy und die Hebamme Gal, ferner Josef Rozlozsnik und Frau aus Dobschau. Zeugen der Ereignisse sind auch die Eisenbahner der Station Prerau, die Soldaten des Exekutionskommandos – unter denen sich etwa vier, fünf Dobschauer befunden haben – und schließlich Bauern der nahen Ortschaft.

Als die Hinterbliebenen der Ermordeten von dem Massaker in Prerau erfahren hatten, stellten sie an Ort und Stelle eine Untersuchung an und bemühten sich um alle diesbezüglichen Daten und erreichbaren Angaben. Als Ergebnis der Nachforschungen und Aussagen ergibt sich folgender Sachverhalt:

In Prerau stauten sich am 18. Juni 1945 die Transportzüge, unter denen sich auch  jener Zug befand, mit dem 247 Karpatendeutsche zum größten Teil aus Käsmark, Mühlenbach und Dobschau – in die Heimat zurückfahren fahren wollten. Niemand schien eine Ahnung zu haben, worum es sich handeln sollte, als tschechoslowakische Soldaten (Revolutionsgardisten?) plötzlich den Zug bestiegen und allen Rückkehrern barsch anordneten, sogleich auszusteigen. Darauf wurden Männer, Frauen und Kindern zusammengetrieben, das Gebäck und die mitgeführten Kisten ausgeladen, von den Soldaten durchwühlt und ausgeplündert. Alsbald wurden die Opfer zur "Schwedenschanze" (südlich von Prerau) eskortiert, wobei sich nach Aussagen des  Bahnhofspersonals  erschütternde Szenen ereigneten. An der Schwedenschanze wurde den Unschuldigen befohlen, ihr Massengrab selbst zu schaufeln, während sich die Soldaten anschickten die Exekution durchzuführen. Lähmendes Entsetzen ergriff die Betroffenen. Die Frauen schluchzten herzerbrechend und wurden ohnmächtig, die Kinder weinten, während der brutale Kommandeur und seine Mannschaft wüteten – das Ganze ein jammervolles Durcheinander von Verzweiflung einerseits und entfesselter  Unmenschlichkeit andererseits.

Aus den nahen Orten mußten Leute rekrutiert werden, um das anbefohlene Massengrab auszuheben, weil die Todgeweihten in ihrer Situation dazu nicht fähig waren. Darauf mußten sich die Rückkehrer – Männer, Frauen und Kinder – bis auf die Unterwäsche entkleiden. Der Schmuck und die noch vorhandenen Wertsachen wurden ihnen weggenommen, ihre Dokumente gleich verbrannt. Dann wurden sie der Reihe nach erschossen und die Leichen in das Grab geworfen. Ganze Familien wurden ausgelöscht. Die Kinder übrigens wurden vor den Augen der Eltern hingemetzelt: sie waren niedergeniet und hatten mit erhobenen Händchen um ihr Leben gefleht, jedoch vergeblich. - das Schreien, Jammern und Krachen der Gewehrschüsse war weithin, ja noch im Orte zu hören.

Ein Mann, und zwar Josef Lindner aus Dobschau war es gelungen, im letzten Augenblick zu  entfliehen. Er wurde aber von den Schergen eingefangen und sofort erschossen. Exekutionssoldaten, die ihn aus Dobschau anscheinend gut kannten, riefen ihn – nach Angabe der ortsansässigen Bauern – beim richtigen Namen.

Nach der Exekution überzeugte sich niemand von den Soldaten, ob auch die Opfer wirklich tot waren; dies wurden nach dem Massenmord nur mit einer dünnen Erdschicht bedeckt. Bauern berichteten, daß sich die Erde auf dem Grab anfangs noch stellenweise bewegt hätte. Als nach einigen Tagen der Verwesungsgeruch in der Gegend so unerträglich wurde, daß die Bauern auf den Feldern die Arbeit einstellen wollten, wurde das Massengrab mit Kalk über schüttet und mehr Erde darüber gehäuft.

Die Namen der Erschossenen sind bekannt. Aber die Mörder sind noch nicht bestraft worden, weil in er wieder errichteten Tschechoslowakei ein Gesetz erlassen wurde, nach welchem Ausschreitungen, die während der "nationalen Befreiungszeit" – vom 1.5. bis 30.11. 1945 – begangen wurden, der Strafverfolgung nicht unterliegen. Aber die christlich und anständig denkende Bevölkerung der ČSR kann diese Untat heute nicht gut heißen. Und auch kein Siegestaumel und keine Befreiungsbegeisterung seinerzeit kann sie – erfolgt sechs Wochen nach Kriegsende – entschuldigen oder auch nur erklären: es ist ein schweres, ja bestialisches Verbrechen gewesen.

Aus begreiflichen Gründen wollte man anfangs den Mord verschweigen. Erst als die Zeitungen es wagten, darüber zu berichten, bequemte sich auch ein tschechoslowakisches Ministerium zur Erklärung, daß die Tat in Prerau von "bewaffneten Abenteurern"(!) verübt worden sei und Tschechen keinen Anteil daran hätten. Aber die slowakische Tageszeitung Čas vom 10.7.1947 wußte zu berichten, daß unter den Ermordeten sich auch einige Slowaken befunden hätten. Daher wurde endlich eine amtliche Untersuchung eingeleitet, deren Bericht sich aber mit folgender Feststellung begnügt hatte:

Am 18. Juni 1945 wurde in Lovesice bei Prerau auf der sogenannten Schwedenschanze von einigen Soldaten unter dem Kommando von Karol Ctibor Pazura vom 17. Inf.-Reg. in Bratislava (Preßburg) etwa 250 Leute erschossen. Ein Verhör wurde nicht angestellt. Die Exekution dauerte von 10 Uhr abends bis 2 Uhr früh. (Nach dem Protokoll der Gendarmeriestation in Prerau.)

„Dieser Tage hat der slowakische Staatspräsident Andrey Kiska als erstes slowakisches Staatsoberhaupt Lidice besucht. Es wäre auch lobenswert, wenn er das Massengrab im Prerauer Friedhof besuchen würde,“ schloss Gerhard Zeihsel, Obmann-Stellv. der Karpatendeutschen Landsmannschaft in Österreich.

 

 

 

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