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Melchior Vischer - Dadaist und Romancier

Ein Dadaist und Romancier aus Nordböhmen

Zum 40. Todestag von Melchior Vischer

Im Jahre 1991 hat Hartmut Binder in sein Buch Prager Profile – vergessene Autoren im Schatten Kafkas auch Melchior Vischer aufgenommen, den in diesem Band Peter Engel im 5. Teil unter dem Titel Vom Prager Avantgardisten zum Berliner Unterhaltungsschriftsteller. Die Wandlungen des Melchior Vischer vorstellte und dazu eine Werkauswahl bot.

Melchior Vichers 1920 erschienener Roman Sekunde durch Hirn machte ihn zu einem wichtigen Vertreter des Dadaismus in Prag

Wer war dieser Melchior Vischer, der 1895 in Teplitz als Emil Walter Kurt Fischer geboren wurde und 1975 in Berlin starb? Obwohl gut bekannt mit Franz Kafka, Ernst Weiß und anderen Literaten aus Böhmen und Mähren und in seinen Anfangsjahren ein aktiver Dadaist, ist heute sein Name selbst in Werken über den Dadaismus selten zu finden. Und das, obgleich sein als „unheimlich schnell rotierender Roman“ gewürdigtes Buch Sekunden durch Hirn das erste in Buchform erschienene dadaistische Prosawerk war.

Der junge Fischer erhielt in Prag seine Matura und wurde danach zum Militär eingezogen. Im Krieg war er Fähnrich und später Leutnant der k.u.k. Armee, wurde aber in Galizien durch einen Schuss in den Hals schwer verwundet und befand sich bis Kriegsende in einem Lazarett bei Prag. Wieder gesund, studierte er an der Prager Deutschen Universität Germanistik, Kunstgeschichte und Mathematik und schrieb schon damals für die Prager Presse.

Aus dieser Zeit stammen seine Kontakte zum Prager Kreis, aber auch zu Robert Musil und Alfred Döblin sowie zu Tristan Tzara. Sein 1920 erschienener Roman Sekunde durch Hirn machte ihn zu einem wichtigen Vertreter des Dadaismus in Prag. 1923 siedelte Vischer mit seiner Frau nach Deutschland über, wo er an den Theatern in Würzburg, Bamberg, Baden-Baden und Frankfurt am Main als Regisseur und Dramaturg arbeitete, allerdings ohne größere Erfolge.

1927 gingen beide nach Berlin, aber auch dort fasste er nicht Fuß, so dass er gezwungen war, als Auftragsarbeiten Fortsetzungsromane zu schreiben. Er lebte sehr zurückgezogen und hatte kaum Kontakt zu Kollegen. Als Melchior Vischer bekam er von den Nationalisten Schreibverbot, nachdem die Berliner Machthaber seine Hus-Biographie verboten hatten. Deshalb veröffentlichte er im Krieg 1940 und 1942 zwei Jugendbücher unter seinem eigentlichen Namen Emil Fischer. Der Tod seiner Frau, die 1944 an Krebs starb, machte ihn zum Einsiedler.

Nach dem Krieg schrieb er auf Bestellung für verschiedene Berliner Zeitungen und Zeitschriften. Da ihm die DDR-Behörden eine Neuausgabe einiger Werke versprachen, ging er 1951 nach Ostberlin, kehrte aber bald verbittert zurück, da nicht einmal seine Hus-Biographie in der DDR neu erschien. Eine zweite Ehe zerbrach durch die andauernde finanzielle Notlage des Autors. Er starb achtzigjährig am 21. April 1975 in Berlin.

 

 

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