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Nidda - New York - Eger

Nidda  -  NewYork  -  Eger

Gedenkschrift zum 100. Geburtstag von Siegfried Strauss, eines jüdischen Niddaers, und Festschrift zum 70. Geburtstag von Wolfgang Stingl

Eine kleine, aber außergewöhnliche Denk- und Festschrift aus Nidda

Pfarrer Dr. Wolfgang Stingl ist nicht nur seit 1985 als Vertriebenenseelsorger im Bistum Mainz, seit 10 Jahren als Vorsitzender des Instituts für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien e.V. und als vorjähriger Preisträger der Hausner-Stiftung bekannt, sondern ist auch Initiator und Gründer eines jüdischen Museums im hessischen Nidda.

208 Seiten, EUR 14,80 plus Versandkosten

Bestelladresse: Institut für Kirchengeschichte Böhmen-Mähren-Schlesien e.V. - Haus Königstein, Zum Sportfeld 14,. D-63667 Geiß-Nidda, Tel.: 0049 (0) 6043-9885224,

E-Mail: haus-koenigstein.nidda@t-online.de

Dass zur Einweihung 2002 auch Otto von Habsburg kam, zeigt die Bedeutung dieses Museums, das nach dem Juden Fred Strauss benannt wurde, der am 27. Mai 1914 als Siegfried Strauß in Nidda geboren wurde und am 3. Oktober 2008 in New York starb. Als Strauss nach dem Krieg wieder seine Heimat besuchte, sagte er in einer Ansprache: „In einem Viehwaggon sind die Juden von Nidda weggeschafft worden. In einem Viehwaggon ist nach dem Krieg Wolfgang Stingl mit seiner Mutter 1946 aus der Tschechoslowakei nach Nidda gebracht worden.“

Da Fred Strauss heuer seinen 100. Geburtstag hätte feiern können und Pfarrer Stingl 70 Jahre alt wurde, haben das Jüdische Museum in Nidda und das Haus Königstein des Instituts für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien unter dem Titel Nidda – New York – Eger eine kleine Gedenk- und Festschrift herausgegeben.

Sie will deutlich machen, wie zwei Gruppen von Bürgern in Nidda zur Geschichte dieser Stadt gehören: die Juden bis zum Zweiten Weltkrieg und nach dem Krieg die Neubürger, die Vertriebenen aus dem Osten. Entstanden ist mit dieser Festschrift ein Lesebuch, das uns Geschichte und Gegenwart der Juden in Hessen und im deutschen Osten in ihrer Verwobenheit mit der deutschen Kultur unserer Nachbarländer vor Augen führt und auch zeigt, wie deutsche Juden aus dem Osten nicht nur in den USA Bleibendes leisteten.

Der erste Teil des Buches Nidda – New York ist Fred Strauss gewidmet, der zweite Nidda – Eger dem Geburtsort Stingls und seiner sudetendeutschen Heimat. Grußworte schrieben Bürgermeister Hans-Peter Seum als Bürgermeister von Nidda und seine Vorgängerin Lucia Puttrich, heute Staatsministerin in Hessen. Grundlegende Beiträge lieferten Adolf Hampel zum Thema „Die Verbundenheit der Juden mit ihrer deutschen Vergangenheit“ und Julia Nagel „Die Juden im ehemaligen deutschen Osten und ihre Verbindungen zu Hessen am Beispiel Mährens“.

Dabei stellt Julia Nagel die Juden Mittelmährens in den Vordergrund und bietet uns wertvolle Angaben zu Proßnitz, Holleschau und anderen Orten. Rudolf Grulich beschreibt „Die Juden und die deutsche Kultur in der Slowakei“ und der jüdische Historiker Karl W. Schubsky berichtet über den jüdischen Friedhof in Rosenberg an der Moldau.

Dass sich das Institut für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien e.V. in seinen Mitteilungen Haus Königstein schon seit Jahren mit Themen aus dem jüdischen Leben im Sudetenland beschäftigte, ersehen wir in den Nachdrucken von Artikeln über die Juden in Trebitsch und Tachau von Rudolf Grulich und über Die Judengemeinde in Ronsperg von Franz Bauer.

Originell und informativ ist ein Beitrag der Redaktion „Berühmte hessische und ostdeutsche Juden im Spiegel der internationalen Philatelie“. Da sehen wir Briefmarken des Friedbergers Sir Oppenheimer aus Südafrika oder eine Briefmarke, die für Sigmund Freud, einem Mährer aus Freiberg, in Guyana herausgegeben wurde. Der Prager Schriftsteller Franz Werfel wurde sogar in Armenien und auf den Malediven mit Sondermarken geehrt.

Im zweiten, dem Jubilar Stingl gewidmeten Teil gratuliert ihm sein Bischof Kardinal Lehmann. Dann finden wir Berichte über die Anfänge des Jüdischen Museums und über Stingls Arbeit als Vertriebenenseelsorger der Diözese Mainz. Stingls Heimat, dem Egerland, gelten zwei Beiträge: Martina Nebeling berichtet über Goethes Kontakte zu Menschen und zur Kultur des Egerlandes, während Hildegard Schiebe auf Spurensuche Denkmäler und Friedhöfe im Egerland besucht.

Ein ausführliches Ortsregister hilft dem Leser beim Zurechtfinden. Es enthält die deutschen und tschechischen bzw. auch die slowakischen und ungarischen Ortsnamen. Wer sich tiefer über diesen, lange Zeit vernachlässigten Abschnitt deutscher Geschichte informieren will, findet Anregungen in dem gut ausgewählten Literaturverzeichnis.


 

 

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