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Ostdeutsche Alpinisten im Nahen Osten

Ostdeutsche Alpinisten im Nahen Osten

Zum 175. Todestag von J. J. Friedrich Wilhelm Parrot Der höchste Berg der Türkei ist der 5165 Meter hohe Vulkan Ararat, auf dem die Arche Noah nach der Sintflut gelandet sein soll. Der Erstbesteiger des Ararat, Johann Jakob Friedrich Wilhelm Parrot, war auf der Suche nach dieser Arche Noah. In diesem Jahr jährt sich der 175. Todestag dieses großen deutschbaltischen Naturforschers und Forschungsreisenden.

Friederich ParrotGeboren wurde Friedrich Wilhelm Parrot am 14. Oktober 1792 in Karlsruhe als Sohn des Physikers und Hochschullehrers Georg Friedrich Parrot, der später an der Universität Dorpat (heute Tartu) lehrte, aber französisch-schottischer Herkunft war. Da der Vater im französischen Montbéliard geboren wurde, bezeichnen manche Quellen ihn auch als Franzosen oder Württemberger, denn damals war die Stadt württembergisch und hieß Mömpelgard.

Der Sohn Friedrich Wilhelm Parrot studierte in Dorpat von 1807 bis 1814 und erhielt 1814 den Doktor in Medizin und Chirurgie. Zwei Jahre später wurde er Mitglied der Petersburger Akademie der Wissenschaften. Eine mineralogische Reise führte ihn bereits 1811 mit Moritz von Engelhard, einem Mineralogen und Geologen aus Wieso in Estland auf die Krim und in den Kaukasus wo die Beiden barometrische Höhenmessungen auf der Halbinsel und in den Bergen zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer anstellten. In ihrer gemeinsamen Schrift Reisen in die Krim und den Kaukasus gaben sie ihre Ergebnisse bekannt.

1815 wurde Parrot Stabsarzt bei der russischen Armee, die gegen Napoleon kämpfte. Weitere Reisen führten ihn nach Südeuropa. Ab 1821 lehrte er als Professor der Physiologie, Pathologie und Semiotik an der Universität in Dorpat, 1826 auch für Physik und wurde 1830 zum Prorektor und 1831 zum Rektor gewählt.

Die Erstbesteigung des Ararat, durch die er weit bekannt wurde, erfolgte auf einer Reise im Auftrag der russischen Regierung in den Kaukasus und nach Armenien, denn damals hatte Russland in einem der zahlreichen Kriege mit der Türkei diese Gebiete besetzt. Am 9. Oktober 1829 bestieg er den großen Ararat mit einem armenischen Führer, dem Diakon Chatschatur Abowjan, der später in Dorpat studierte und als armenischer Schriftsteller erfolgreich wurde. Über diese Reise und die Erstbesteigung des Ararat erfahren wir mehr in den beiden Bänden Reise zum Ararat, die 1834 in Berlin erschienen.

Zu erwähnen ist noch seine Veröffentlichung Reise in die Pyrenäen, die ebenfalls in Berlin herauskam. Seine letzte Reise führte ihn 1837 zum Nordkap. Darüber liegt leider kein Bericht mehr vor, denn er starb bereits am 15. Januar 1841. Bei den Bergsteigern sind auch andere ostdeutschen Alpinisten als Naturforscher im Orient bekannt.

So hat der Sudetendeutsche Theodor Kotschy den 5654 Meter hohen Volkan Demavend in Persien bestiegen und ebenfalls den 3916 Meter hohen Bergkegel Ercias Dağ in Kappadokien. Obwohl Kappadokien heute ein beliebtes Touristenziel ist, Kotschy ist vergessen, obwohl er als Begründer der Orientforschung in Österreich gilt. Er starb vor 150 Jahren.

Der am 15. April 1815 in Ustron in Österreich-Schlesien Geborene stammte aus einer protestantischen Familie. Sein Vater Karl war Pastor im Teschener Gebiet, das nach Kämpfen zwischen Polen und der Tschechoslowakei bis heute geteilt ist. Auch die Stadt Teschen hat bis heute einen tschechischen Teil Cesky Tĕšín und das polnische Cieszyn.

Der Vater hatte außer Theologie auch Naturwissenschaften studiert und war Mitglied der Pomologischen Gesellschaft in Brüssel. Von seinem Vater hatte Theodor die Vorliebe für Botanische Studien geerbt und unternahm bereits mit neun Jahren ausgiebige Wanderungen im Riesengebirge.

Mit 20 Jahren studierte Kotschy in Wien Naturwissenschaften und startete 1836 zu einer ersten Expedition in den Orient mit dem Forscher und Geologen Josef Ritter von Russegger, der später an der Bergakademie in Schemnitz lehrte. Diese Forschungsreise führte ihn nach Kilikien, Syrien, Ägypten und in den Sudan und endete 1836. Kotschy blieb jedoch nach Ende der Expedition im Orient, reiste 1840 auf die Insel Cypern und bestieg 1843 den Demawend, dessen Gipfel er am 1. August 1843 erreichte.

Die Besteigung des Gipfels ist für geübte Bergsteiger nicht sehr gefährlich, aber der Chlorgestank und die aufsteigenden Schwefeldämpfe machen den Bergsteigern Probleme. Die Ergebnisse seiner Reisen veröffentlichte er in Büchern wie Der westliche Elbrus bei Teheran und Erforschung und Besteigung des Vulkans Demavend nebst Grundriss des Kraters und Ansichten. Leider sind seine Tagebücher der Orientreise (1835-1843) nicht mehr erhalten.

Nach achtjähriger Abwesenheit sehnte Kotschy sich nach seiner Heimat und erreichte Wien im Jahre 1843. Dort nahm er eine Assistentenstelle am k.-k. Hofkabinett an und konnte jedes Jahr in der Fachwelt viel beachtete alpinistische Forschungsreisen unternehmen, so 1845 ins Salzkammergut und nach Tirol, 1846 nach Kärnten, Krain und Siebenbürgen oder 1848 in die Obersteiermark.

Ein Jahr darauf bestieg er den Großglockner und den Großvenediger. 1853 zog es ihn aber wieder in den Orient, diesmal in das kilikische Taurusgebirge und in das heute umkämpfte türkisch-syrische Grenzgebiet. 1855 lenkte er sein Interesse wieder nach Ägypten, von wo aus er auch ganz Palästina und wieder Syrien, Kilikien und den Libanon sammelnd und forschend bereiste. In seinem in Gotha erschienenen Buch Reisen in den kilikischen Taurus über Tarsus hat er uns 1859 einen noch heute lesenswerten Bericht darüber hinterlassen.

Auf seiner letzten Orientreise nach Kleinasien bestieg er den Ercias Dağ und erforschte wieder Kilikien und Kurdistan. Über Trapezunt und über das Schwarze Meer erreichte er Konstantinopel und Wien. Die Entbehrungen der Reise, die Klimaschwankungen und die körperlichen Strapazen hatten ihn sehr mitgenommen. Erst 43 Jahre alt starb er am 11. Juni 1866 in Wien, nachdem er ein Jahr zuvor noch ein Buch über die Insel Cypern herausgebracht hatte. Verschiedene Tier- und Pflanzenarten sind nach ihm benannt, wie die persische Viereckskrabbe Epixanthus Kotschyi, der ägäische Nacktfingergecko Cyrtodactylus Kotschyi und die Pflanzengattung Kotschya.

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