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* Robert Hohlbaum: Künder verlorener Heimat

Künder der verlorenen Heimat

Vor 60 Jahren starb der Dichter Robert Hohlbaum

 

Robert Hohlbaum stammte aus Jägerndorf in Österreichisch-Schlesien und wurde am 28. August 1886 in eine Familie geboren, die väterlicherseits über Generationen hinweg Förster waren. Vater Alois Hohlbaum hingegen „war aus der Art geschlagen“ und gründete nach einem Studienaufenthalt in England und Frankreich „die erste österreichische Fabrik für Webereimaschinen“.

Man entwickelte bald eigene Fabrikate wie Leinen-, Baumwoll- und Kammgarnstühle, die den Weltmarkt eroberten. Die musische Mutter, die aus einer österreichischen Beamtenfamilie stammte, lebte „geistig im Wien des Burgtheaters und der Oper“ und machte den Sohn schon bald mit Musik und Literatur bekannt. Ihren frühen Tod hat der Dichter Zeit seines Lebens nie verwunden. Der Vater wollte ihn zu seinem Nachfolger heranziehen, aber auch er starb früh, sodass Hohlbaum mit zwanzig Jahren Vollwaise war.

Er ging nach Graz, um die Rechte zu studieren, wendete sich aber rasch der Germanistik zu und wurde Mitglied der Burschenschaft „Stiria“, das „war vorerst das Wichtigste.“ Drei Jahre später wechselte er nach Wien, sprang bei der „Silesia“ ein und „machte in zwei Jahren, was andere in vieren machen.“ Mit einer Dissertation über „Die Marienburg im Drama“ schloss er sein Studium 1910 ab.

Die Prägung durch die Burschenschaften durchzieht sein ganzes Werk, immer wieder sind Burschenschafter wichtige Charaktere in seinen Werken. Mit den „Raben des Kyffhäuser“ hat Hohlbaum 1927 den „Roman der Burschenschaft und ihres Zeitalters“ geschrieben.

Seine Stellung als wissenschaftlicher Bibliothekar an der Universitätsbibliothek in Wien bot ihm die notwendige materielle Sicherheit und außerdem blieb ihm genügend Zeit für sein Schaffen.

Am Ersten Weltkrieg nahm Robert Hohlbaum als Offizier teil, der Zusammenbruch der Monarchie hat ihn schwer getroffen. In der Ersten Republik setzte er sich für die Großdeutsche Volkspartei ein. Schon vor dem Krieg hatte er zwei Romane („Der ewige Lenzkampf“ und „Österreicher“) vorgelegt. Nach seiner Rückkehr aus dem Feld erschien in rascher Folge Buch auf Buch. „Die Amouren des Magister Döderlein“ (1920), Biographien seiner Freunde Franz Karl Ginzkey (1921) und Rudolf Hans Bartsch (1923). „Die deutsche Passion“ wurde 1923/24 im „Getreuen Eckart“ zuerst abgedruckt.

Mit „Das Paradies und die Schlange“ folgte 1928 ein Roman aus Süd-Tirol, 1931 erschien „König Volk“, ein Roman aus der Französischen Revolution. Nachdem Hohlbaum wegen seiner nationalen Gesinnung von der Universitätsbibliothek entfernt wurde, ging er nach Deutschland, wo er 1937 die Leitung der Stadtbibliothek in Duisburg übernahm; 1942 wechselte er an die Landesbibliothek Weimar.

Wie Millionen anderer Deutscher erhoffte sich auch Hohlbaum vom Nationalsozialismus eine große Zukunft für Deutschland. Für diesen Irrtum haben ihn die Sieger von 1945 bitter büßen lassen, er musste zeitweilig als Hilfsgärtner und Ziegenhirt sein Dasein fristen und zog sich gesundheitliche Schäden zu. Der Bruckner-Roman „Tedeum“ (1950) und das Goethe-Buch „Sonnenspektrum“ waren seine bedeutendsten Spätwerke.

Burschenschaft und Grenzlanddeutschtum haben ihn entscheidend geprägt; für seine Treue zu Volk und Vaterland wurde er nach dem Kriege von der offiziellen Literaturgeschichtsschreibung geächtet. Der Dichter starb 1955 in Graz.

Helge Morgengrauen

Quelle: Zur Zeit, Ausgabe 28-29/2015

E-Mail: verlag@zurzeit.at, www.zurzeit.at

 

 

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