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Südmähr. Museum Znaim/Znojma: Vertreibung

„Langsam ist es besser geworden. Vertriebene erzählen vom Wegmüssen, Ankommen und Dableiben.“

Ausstellung zu  Vertreibung und Neubeginn wurde am  16.1. 2015 im Südmährischen Museum  Znaim/Znojmo  eröffnet – Begrüßungsrede von Dr. Antonin Reiter

Nach sechs Stationen in Niederösterreich und dem großen Erfolg in Prag macht die Ausstellung über "Vertreibung, Ankunft und Neubeginn" im Südmährischen Museum in Znaim Station. 

Dazu Ausstellungskurator Mag. Niklas Perzi vom Zentrum für Migrationsforschung (ZMF) in St.Pölten: „Jede Station in Tschechien ist fast ein wenig, als kehrten  die böhmischen und mährischen Deutschen,  die 1945 unter teils grausamen und dramatischen Umständen ihre Häuser und Höfe verlassenen  mussten, in ihre alte Heimat zurück. Besonders freut mich das extrem große mediale Interesse. Wieder waren bei der Eröffnung der öffentlich-rechtliche tschechische Rundfunk und das Fernsehen vertreten.“

Jedenfalls wird mit der  Eröffnung  der Ausstellung „Langsam  ist es besser  geworden“   wieder ein neues Kapitel in der Aufarbeitung der wiewohl über weite Strecken gemeinsamen, jedoch nicht immer konfliktfreien Geschichte  zwischen (Nieder-) Österreich und der Tschechischen Republik aufgeschlagen. 

„Die Zeit, in der die Konflikte unser Zusammenleben dominierten, waren viel kürzer als jene, in denen wir friedlich zusammenlebten“ stellte der Direktor des NÖ-Landesarchivs Dr. Willibald Rosner als Auftraggeber der Ausstellung bei der Eröffnung fest: „Unsere Generation denkt jedoch noch immer zu sehr in den alten Schablonen und Mustern aus diesen Jahrzehnten.“ 

Und er freut sich, dass gerade diese Ausstellung ein so großer Erfolg ist: „Anfangs rechneten wir höchstens mit zwei, drei Stationen in Niederösterreich. Nach Znaim werden 2015 noch fix Slavonice/Zlabings in Tschechien und Neupölla im Waldviertel folgen, über weitere Stationen in Niederösterreich und Brünn verhandeln wir gerade“.

Die Ausstellung zeigt ein wenig bekanntes Kapitel  der gemeinsamen Geschichte beider Länder: Was geschah mit jenen zehntausenden böhmischen und mährischen Deutschen, die   im Zuge von Vertreibung und Aussiedlung aus der Tschechoslowakei 1945/1946 nach Niederösterreich gekommen sind.

Und sie lässt in Form von Interviews die Betroffenen selber sprechen: Mehr als 30 Zeitzeugen berichten von ihren schweren Lebensbedingungen ohne Dach über dem Kopf, dem Bitten und Betteln um Essen, der Suche nach Arbeit und der Angst wiederdiesmal nach Deutschlandabgeschoben zu werden.

Dr. Antonín Reiter, Stellvertreter der Direktorin des Südmährischen Museums im Minoritenkloster in Znaim begrüßte vor allem herzlichst Frau Bohumila Beranová, Kreisrätin Südmährens, als Stellvertreterin des Hauptmanns Mgr. Hašek, Hofrat Dr. Willibald Rosner, Direktor des NÖ-Landesarchivs. „Museumsdirektorin Ing. Durajkova ließ sich entschuldigen, aber sie hat mich betraut, sie hier zu vertreten.“ Dr. Jiří Kacetl vom südmährischen Museum übersetzte für die Gäste aus Österreich auf Deutsch.

„Die Ausstellung, die wir heute eröffnen, berührt ein sensibles und emotionales Thema. Für mich persönlich wird sie mit wichtigen Jubiläen unserer Zeit verbunden. Die erste ist die Erinnerung an den Fall des Eisernen Vorhangs vor 25 Jahren. Dieses Jubiläum finde ich eindeutig positiv. Nach vielen Jahren der gegenseitigen Abkapselung und des künstlich geordneten Misstrauens ist Mitteleuropa wieder zu einem Gebiet geworden.

Dank diesem Ereignis können wir allmählich an die Wurzeln, die früheren Beziehungen, die gemeinsamen kulturellen Traditionen, an das Zusammenleben und die Geschichte anknüpfen. Und selbst die Tatsache, dass wir heute diese Ausstellung hier eröffnen können, begrüsse ich als ein wertvolles Ergebnis der Entwicklung des letzten Vierteljahrhunderts.“

Nach dem Dank an alle, die diese Ausstellung ermöglichten, dankte Dr. Reiter auch der Firma Lahofer, die die heutige Eröffnung durch Ihren Wein zur Erfrischung unterstützt hat und den Kellnerinnen - Studenten der Znaimer Hotel-Mittelschule. „Nach der Führung durch die Ausstellung sind sie dann herzlichst zu Wein und Brot hier eingeladen,“ dankte für die Aufmerksamkeit, wünschte einen angenehmen Abend und gab das Wort an Dr. Kacetl weiter, der durch den Abend geleitete.

Die Ausstellung wurde  vom seit 2012 bestehenden Zentrum für Migrationsforschung in St.Pölten im Auftrag des Niederösterreichischen Landesarchivs bearbeitet. Nach Stationen mit Rekordbesuch in St.Pölten, Klosterneuburg, Laa/Thaya, Hollabrunn, Reingers und Raabs   ist Znaim/Znojmo nach Prag der zweite Ort in der Tschechischen Republik.

Jihomoravsky muzeum Znojom, U Přemyslovců 8, Znojmo, noch bis 28.2., jeden Montag-Freitag von 9-17 Uhr zu besichtigen - www.znojmuz.cz

Rückfragen: Niklas Perzi, Zentrum für Migrationsforschung (ZMF)  im Institut für Geschichte des ländlichen Raums (IGLR) , niklas.perzi@gmx.at, 0043(0)664 595 46 72.

 

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