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Schlussrede von Mag. Wolf Kowalski

Schlussworte Mag. Kowalski Heimattag Klosterneuburg am 13. 9. 2015 (Teil 5)

Die Hauptkundgebung des diesjährigen Heimattages wurde vom Wissenschaftsreferent der SLÖ Mag. Wolf Kowalski abgeschlossen.

Zuerst bedankte sich der Redner bei den Vertretern der politi­schen Parteien, die durch ihr Erscheinen ihre Solidarität mit den Sudetendeutschen bekundeten. Er verwies auf die besondere Verantwortung Österreichs für unsere Volksgruppe, bei der es sich um Altösterreicher deutscher Muttersprache handelt.

Alle Sudetendeutschen wären nach der  Vertreibung am liebsten in Österreich geblieben, sie konnten es sich aber - im Gegensatz zu den Flüchtlingen der Gegenwart - nicht aussuchen, in welches Land sie deportiert wurden.

Die Österreichischen Behörden haben in ungerechter und inhumaner Weise zusammen mit den Besatzungs­mächten in den ersten Nachkriegsjahren über 280.000 Sudetendeut­sche aus dem früheren gemeinsamen Vaterland Österreich nach Deutschland abgeschoben.

Auf zwei in den Grußworten der Politiker angesprochene Probleme nahm der Referent Bezug, indem er darauf hinwies, dass es zu Vertreibungen mit dem Ziel ethnischer Säuberung zu allen Zeiten maßvolle Alternativen, wie etwa eine geordnete Evakuierung der Armenier für die Dauer des Krieges aus den Kampfge­bieten oder den Abschluss von sudetendeutsch-tschechischen Verein­barungen über eine Neugestaltung des Zusammenlebens im wiedererrich­teten tschechoslowakischen Staat gegeben hätte.

Eine besondere Infamie sei der derzeit von den Medien und manchen Funktionären angestellte Vergleich zwischen den Heimatvertriebenen nach 1945 und den heute ins Land strömenden Asylantenmassen.

Kein Sudetendeutscher hat freiwillig seinen Heimatort verlassen, selbst für eine Flucht oder Evakuierung vor der herannahenden Front wie in Ostdeutschland bestand kein Anlass, wobei auch diese "Flüchtlinge" nicht auf Dauer im Westen bleiben, sondern sobald wie möglich in ihre angestammte Heimat zurückkehren wollten.

Wer jedoch quer durch ganze Kontinente in sein Wunschland zieht, ist ein Auswanderer auf der Suche nach materieller Besserstellung, aber kein Vertriebener. Schon allein der verräterische Begriff des "Familiennachzuges" be­weist, dass die heutigen Asylanten freiwillig zu uns kommen, insbe­sonders wenn sie aus Ländern einwandern, in denen absoluter Friede herrscht  wie Ghana, Gambia, Albanien oder dem Kosovo.

Als nächstes galt der Dank dem armenischen Hauptreferenten Dipl. Ing. Beransch Hartunian-Tamrassian, der in beeindruckenden Worten des ersten Völkermordes des 20. Jahrhunderts gedachte, dem 1915 ein Drit­tel des armenischen Volkes zum Opfer fiel.

Wer nicht zu den 1,5 Mil­lionen Toten zählte, wurde zuerst unter entsetzlichen Bedingungen innerhalb des Osmanischen Reiches und später in alle Welt zerstreut und vertrieben. So kam es, dass die Familie von Dipl. Ing. Hartunion nach Täbris im Iran verschlagen wurde, wo er als Mitarbeiter des Bischofs der Armenisch-apostolischen Kirche tätig war, bevor er 1966 in Graz Bauingenieurwesen zu studieren begann. Danach übersiedelte er nach Wien, wo er seinen Beruf ausübte und sich der armenischen Gemein­de in Österreich anschloss. Er war in dieser Hinsicht Mitbegründer und jahrzehntelanger, außerordentlich aktiver Präsident der Österreichisch-Armenischen Kulturgesellschaft. Sein Hauptanliegen war es seit damals bis heute seine neuen Österreichischen Landsleute mit dem Schicksal und der Kultur des armenischen Volkes vertraut zu ma­chen.

In diesem Zusammenhang verwies Prof. Kowalski auf die Tatsache, dass es immer dort ein Leichtes ist Zuwanderer zu integrieren, wo es kulturelle Gemeinsamkeiten gibt, im Falle der Armenier ist es ihre europäisch geprägte Kultur und ihr christlicher Glaube. Manchem öster­reichischen Politiker ist dieses Axiom wohl bewusst, wie die vor einigen Monaten ausgesprochene Forderung beweist, dass sich Österreich doch zuallererst der verfolgten syrischen Christen annehmen sollte.

Nach einem Sturm der Entrüstung über „diese islamophobe Diskrimi­nierung" hat man von jener an sich sinnvollen Absicht  nie mehr etwas gehört. Die Berührungspunkte zwischen dem Schicksal der Armenier und der Sudetendeutschen sind vielfältig: Da wie dort ist die Vertreibung nicht ein isolierter, spontaner- Vorgang gewesen, sondern hat eine lange Vorgeschichte, wie die sich seit Palacky ständig steigernde Deutschfeindlichkeit der Tschechen bzw. die auf Befehl des Sultans - wer denkt da nicht an den Vertreibungs­aufruf von Beneš - 1894 losbrechenden Armenierpogrome.

Anlass waren armenische Autonomieforderungen, die als Provokation betrachtet wurden, genauso wie die diesbezüglichen sudetendeutschen Wünsche 1919, 1935 bis 1938 oder die der großrussischen Minderheit in der Ost­ukraine heutzutage. Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass der Sultan den türkischen Mördern zumindest in der Hauptstadt Istanbul Straffreiheit gewährte genauso wie das tschechoslowakische Parla­ment 1946 den Mördern von zumindest 241.000 Sudetendeutschen.

Abschließend dankte der Referent den erschienen Landsleuten, die trotz zunehmenden Alters und Gebrechlichkeit den Weg nach Kloster­neuburg in die Babenbergerhalle gefunden haben, jene Halle, die – wie der Redner erst einige Zeit nach dem Heimattag erfuhr - wesentlich von Herrn Dipl. Ing. Hartunian-Tamrassian beim Umbau vor Jahrzehn­ten mitgestaltet wurde. Die versenkbare Bühne, auf der heute das Rednerpult steht, wurde von ihm konstruiert und gebaut: Was gibt es für einen schöneren Beweis für seine gelungene und vollendete Eingliederung in unser Land?

Er hat aber gleichzeitig auch seine Wurzeln nie vergessen oder geleugnet, was auch für seine ganze Familie und eigentlich für alle österreichischen Armenier gilt.

Und genau hier müssen wir Sudetendeutsche ansetzen: Wir müssen uns immer und überall als Sudetendeutsche bekennen, unser Wissen um die stolze Geschichte, die unübertroffenen Leistungen unserer Volks­gruppe in den Böhmischen Ländern und in ganz Europa an unsere Nachfahren weiterüberliefern, damit die Erinnerung an uns, wie es manche Tschechen gerne hätten, nicht verloren geht.

Glaubwürdig werden wir dabei vor allem innerhalb unserer Familien nur bleiben können, wenn wir an unseren Prinzipien, deren wichtigste die Forderungen nach einem Rückkehrrecht in die alte Heimat und nach Rückgabe unseres Eigentums sind, festhalten.

Keinem Armenier auf der ganzen Welt würde es einfallen auf Restitution durch die Türken zu ver­zichten, wie es viele unserer Volksgruppenfunktionäre tun. Auch nicht nach 100 Jahren!

 

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