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Sudetendeutsche als "Gerechte unter den Völkern"

Oskar Schindler war nicht der Einzige

Utl.:  Auch andere Sudetendeutsche wurden als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.

In Nidda hat Pfarrer Wolfgang Stingl Sudetendeutsche gewürdigt, die in Israel mit dem Titel „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet wurden. Stingl ist Gründer eines Jüdischen Museums in Nidda und erster Vorsitzender des Institutes für Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien. Seit den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts ehrt die israelische Behörde Yad Vashem in Jerusalem Nichtjuden, die in der NS-Zeit  jüdische Mitbürger retteten, auch wenn sie dabei ihr eigenes Leben oder das ihrer Angehörigen gefährdeten.

Unter den zahlreichen Deutschen und Österreichern, die neben Angehörigen vieler anderer Nationen diesen Titel erhielten, war schon 1967 der später durch den Film von Steven Spielberg bekannte Oskar Schindler aus dem mährischen Zwittau, erklärte Stingl. Im Jahre 1993 erweiterte Yad Vashem diese Anerkennung auch auf Schindlers Frau, Emilie Schindler und würdigte so ihren Beitrag zu dem, was Oskar Schindler leistete.

Das Ehepaar Schindler ist aber nicht allein. Stingl wies auf das „Lexikon der Gerechten unter den Völkern“ hin, das alle Deutschen und Österreicher vorstellt, aber nicht immer die Geburtsorte der Geehrten nennt. Stingl bedauerte dies, denn oft werde nur erwähnt, wo die betreffenden Helfer zur Zeit des Krieges wohnten oder arbeiteten, manchmal hieße es nur, daß er oder sie Volksdeutsche waren.

Er nannte als erstes Beispiel Gertrud Steinl, von der es in der Jerusalemer Akte Nr. 1618 nur heißt, „eine Sudetendeutsche, sie arbeitete als Aufseherin bei der Karpaten Öl AG in der polnischen Stadt Stryj“. Die polnischen Arbeiter schätzten sie wegen ihrer menschlichen Einstellung. Als ihr eine Arbeiterin gestand, daß sie Jüdin sei, kümmerte sich Frau Steinl um sie und schickt sie 1943 zu ihren Eltern ins nordböhmische Graslitz, wo Sarah Schlomi, eine geborene Fröhlich, den Krieg überlebte.

1986 erhielt Otto Springer die Auszeichnung, der 1907 in Prag geboren wurde. Er wird in Jerusalem unter der Akte 3402 geführt. Springer hatte 1938 kurz vor dem Einmarsch Hitlers in Prag die Jüdin Hanna Adler geheiratet, also drei Jahre nach dem Erlaß der Nürnberger Rassegesetze. Als er sich weigerte, sich scheiden zu lassen kam er in das Arbeitslager Klettendorf und dann nach Habibor bei Prag. Es gelang ihm, durch Kontakte zu einer  Gruppe von Nazigegnern seine Frau und fünf weitere Juden zu verstecken und so zu retten.

Von Ruth Zielinski, die 1991 ausgezeichnet wurde, heißt es in Akte 4886, sie „gehört zu einer volksdeutschen Familie, die aus dem Sudetenland nach Krakau in Polen gekommen war“. Im Juli 1942 bat die jüdische Familie Kimel Frau Zielinski um Hilfe. Ruth Zielinski half ihnen und versteckte das Ehepaar Bernard Dav Kimel und seine Frau drei Monate.

Unter den „Österreichern“ wird Joachim von Zedtwitz geführt, der 1939 „deutscher Medizinstudent in Prag“ war. Ihm wurde 1994 die Auszeichnung verliehen, weil er sich nach Hitlers Einmarsch in Prag in einer Gruppe von aktiven Nazigegnern engagierte, um Juden die Flucht ins Ausland zu ermöglichen. Er fuhr bis September 1939 mehrfach mit Juden nach Mährisch-Ostrau, von wo aus örtliche Führer die Juden über die Grenze nach Polen brachten. 1940 wurde er von der Gestapo verhaftet und verbrachte 15 Monate in Haft.

 

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