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Symposium über Schriftsteller Franz Spunda (1889-1963)

Symposium über Leben und Werk des Schriftstellers Franz Spunda (1889-1963) in Olmütz/Olomouc

Utl.: Einleitung und Rückblick seines Sohnes Prim.Christoph Spunda

Vom 2.-5. Oktober  2014 fand in Olmütz ein Symposium in Form eines Kontexts und zwar auf Intention und Organisation durch den Lehrstuhl für Germanistik der Palacky Universität statt. Thema der Veranstaltung war das Leben und Werk seines 1889 in Olmütz geborenen Vaters Franz Spunda.

  

Ein Großteil der Nachkommenschaft war zu diesem denkwürdigen Anlaß nach  Olmütz gekommen. Als ältester Sohn und Betreuer des Nachlasses ist es Dr. Spunda ein aufrichtiges Bedürfnis, für die hervorragende wissenschaftliche Gestaltung dieses Kontexts im Rahmen der traditionsreichen Universität Olmütz herzlich zu danken.

Man darf hier wirklich von einer großherzigen und völkerverbindenden Initiative sprechen. Daß sie die Atmosphäre der alten Kulturstadt Olmütz, der Stadt ihrer Vorväter, tief beeindruckt hat, darf nebenbei erwähnt werden.

Prim Spunda kam die Aufgabe zu, die Person Franz Spunda und sein Schicksal kurz zu beleuchten. Er mußte sich dabei natürlich auf ganz wenige  Momentaufnahmen beschränken. Aber vielleicht gelangt es, wenn er zwei tiefgreifende Ereignisse beschrieb, dass manche Mißverständnisse um Franz Spunda relativiert werden.

Mehrere Jahre, etwa bis 1937, lebte die Familie Spunda in einer Siedlung in Wien-Hietzing - schon etwas im Grünen. Zahlreiche Kinder bewohnten die Nachbarhäuser, seine Schwester und er hatten viele Freunde. Immer wieder kam es dazu, daß plötzlich einzelne Kinder grundlos fehlten. Dies erschien den Kindern natürlich seltsam, Fragen an die Eltern wurden ignoriert oder kurz mit der Bemerkung abgetan „die sind wo anders hingezogen“.

Viele Jahre später, er war aus dem Krieg zurückgekehrt, hatte sein Vater und er einen kurzen Spaziergang in der früheren Wohngegend. Und da fiel ihm das seltsame Verschwinden der Freunde ein und er fragte nach. Vater, sonst die Ruhe in Person, schwieg betroffen, ja er bemerkte sogar eine Träne, und nach langer Pause erklärte Vater ihm mit leiser Stimme, daß diese Freunde meist nicht verzogen seien, sondern sich die ganzen Familien umgebracht hätten. Um das zu verstehen, muß man sich die katastrophale, ja hoffnungslose Situation etwa eines Familienvaters, welcher seine Arbeit in dieser Zeit verloren hat, vor Augen führen. Und daß der sensible, humanistische Franz Spunda dies nicht einfach hinnehmen konnte, sondern sich einen Ausweg, und sei es auch ein politischer, wünschte, ja wünschen musste, ist wohl verständlich, glaubt der Sohn. Spätere haben ihm daraus einen Vorwurf gemacht.

Dr. Spunda kam noch zu einem zweiten Geschehnis, welches auf Vaters offenbar nie völlig versiegte Beziehung zur Tschechischen Sprache hinwies. Es war knapp nach dem Krieg, Vater lebte mit seinen Kindern und der schwerkranken Frau nun in seinem Haus, weit draußen am Rande von Wien. Unglücklicher Weise hatte sich bei ihnen eine Gruppe von russischen Soldaten einquartiert. In der Nacht gingen sie auf Raubzug, tagsüber waren sie betrunken. Zur Familie selbst waren sie relativ freundlich, einer spielte sogar seiner Mutter auf der Balalaika vor. Nach ein oder zwei Wochen war aber Schluß damit. Die Interalliierte Polizei stürmte das Haus, die Russen wurden abgeführt. Die Erleichterung war groß, aber nur von kurzer Dauer.  Am nächsten Tag holte ein Jeep seinen Vater ab „Nur zur Auskunft“.

Eine damals ominöse, unheilschwangere Redewendung. So auch in diesem Fall. Sein Vater kam nicht mehr. In seiner Verzweiflung lungerte sein Sohn zwei Tage in der Interalliierten Kommandantur herum, schließlich hatte er Glück und sein Vater wurde ihm übergeben. Er war zwei Nächte im Keller der russischen Geheimpolizei verhört, und wohl auch mißhandelt worden. Christoph war verstört, er aber relativ guter Dinge und erzählte spöttisch, daß er durch seine Tschechischen Sprachkenntnisse den Lauf der Dinge verstand und sich auf die Situation einstellen konnte. Kurz und gut, sie fuhren nach Hause und neue Sorgen verdrängten die alten. Später, also nach Jahren, erzählte Vater gelegentlich sein Abenteuer und vergas nie, auf seine Rettung durch die geheimen Sprachkenntnisse hinzuweisen.

Die jugendliche Zweisprachigkeit aus Olmütz hat sich somit viel später als wahrscheinlich lebensrettend erwiesen.

Damit schloss Dr. Christoph Spunda seine Ausführungen und hoffe,  den Mensch welcher hinter dem immensen Schaffen von Franz Spunda steht, etwas näher gebracht zu haben!

Die Ergebnisse dieses Symposiums in Olmütz sollen in einer Broschüre herauskommen – wir werden darüber berichten.

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