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Symposium der Sudetendeutschen Jugend in Wien

Symposium der Sudetendeutschen Jugend Österreichs und der mittleren Generation

"Aus der Vergangenheit und Gegenwart in die Zukunft schreiten"

Im Haus der Heimat in 1030 Wien trafen am 14. März 2015 über 40 Teilnehmer zwischen 20 und 55 Jahren zu einem Einstiegssymposium zusammen.

Hubert Rogelböck als Organisator dieses Treffens begrüßte die Teilnehmerschar und übergab Michael Maringer (SdJÖ) die Moderation.

Der Beitrag von der Jugendgruppe Sojka (Elster) aus Brünn/Brno von Frau Labušova, die erkrankt war, wurde in Kurzform vorgetragen.

In der kommunistischen Zeit wurde über die Vertreibung der Sudetendeutschen nicht viel gesprochen. Beim Prager Frühling 1968 wurden die Intelektuellen in der damaligen Tschechoslowakei auf das Thema "Sudetendeutsche" hellhörig und es wurde der Kulturverband für die verbliebenen Deutschen in Prag gegründet. Diejenigen Tschechen die schon in den 80er Jahren auf Besuch nach Deutschland oder nach Österreich fahren durften, erfuhren, dass die Sudetendeutschen schon vor 800 Jahren nach Böhmen kamen. Aus der Sicht von Sojka ist die Kollektivschuld der Sudetendeutschen nicht gerechtfertigt. Sojka will in Zukunft helfen, Resentiments abzubauen.

Über "Die Lage der in der Tschechischen Republik verbliebenen Deutschen" sprach Irene Kunc vom Begegnungszentrum Mähr. Trübau

 

Von den 3,5 Mio. Sudetendeutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien, sind ca. 180.000 – 200.000 meist aus Mischehen, Sozialdemokraten, Kommunisten, Antifaschisten und Leute, die in der Industrie gearbeitet haben, nach 1945 geblieben. Der Rest wurde nach Deutschland und Österreich vertrieben. Die verbliebenen Deutschen wurden in das Landesinnere umgesiedelt, damit sie sich rascher assimilierten.

Nach der Wende 1989 blieb der oben erwähnte deutsche Kulturverband erhalten und zusätzlich wurde die „Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien gegründet. Näheres unter www.landesversammlung.cz.  Ziel der Landesversammlung ist es die Erhaltung der deutschen Sprache, den Erhalt der deutschen Kultur und Schutz der Minderheitenrechte. Die Landesversammlung gibt einmal pro Monat die deutsche Zeitung Landesecho heraus. Näheres unter www.landeszeitung.cz.

2011 bekannten sich über 18.000 Menschen in der Tschechischen Republik zur Deutschen Minderheit.

Die ganz junge Generation der verbliebenen Deutschen suchen ihre Wurzeln und kommt dazu teilweise in die Begnungszentren, die die Landesversammlung eingerichtet hat.

Die jungen Verbliebenen sind in der Jugendgruppe Jukon organisiert.

Zukunft: Die deutsche Minderheit sieht sich als Brückenbauer nach Deutschland und nach Österreich und als Teilnehmer für gemeinsame Projekte zwischen Deutschland und der Tschechischen Republik. Junge Mitglieder werden schon durch Theatergruppen für Kinder in den Begnungszentren gefunden.

Frage: Gibts Begnungszentren an der österreichischen Grenze? Nein, aber in Brünn gibt es drei deutsche Verbände.

Mag. Niklas Perzi vom Institut für Migrationsforschung in St. Pölten hielt einen „geschichtlichen Rückblick:

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts (1848) ist ein Nationalitätenkampf zwischen Tschechen und Deutschen betreffend Schulen entbrannt.

Die Tschechoslowakische Republik wollte die Sudetengebiete als wirtschaftlichen Faktor wegen der Industrie in Böhmen behalten.

1938 im Exil in London wollte Staatspräsident Beneš vorerst kleine Gebiete an Deutschland abtreten mit damit verbundener "Umsiedlung" der Deutschen aus den restlichen deutsch besiedelten Gebieten, bereits ab 1942 wollte er nur mehr die gesamte Vertreibung der Sudetendeutschen, ohne Gebietsabtretung.

1945: Österreich wollte nichts mit der Mehrheit der vertriebenen Sudetendeutschen zu tun haben,  die Mehrzahl der Vertriebenen wurde 1946 von Österreich nach Deutschland "weitergeleitet".

Zukunft: Sudetendeutsche sollen mehr in Diskurs mit Tschechien gehen, ein kleiner konzentrierter Kreis sollte den nicht mehr aufrechtzuerhaltenen Strukturen der Sudetendeutschen Landmannschaft nachfolgen, dieser sollte in Dialog mit Tschechien gehen, riet der Historiker Perzi.

 

Es folgte Christoph Lippert, Bundesgeschäftsführer der Sudetendeutschen Landmannschaft in München:

Er gab einen Überblick über die Strukturen in Deutschland, Näheres unter www.sudeten.de.

Betreffend Ahnenforschung: Näheres unter www.heimatoneline.eu.

Aufgabe in der Zukunft ist, die Sudetendeutsche Landsmannschaft (SL) zu sichern. Wozu in vielen Jahren noch die SL?

  • Wegen der Nachgeborenen, die sich für ihre sudetendeutschen Wurzeln interessieren.
  • Wegen der jungen Tschechen, weil das tschechische Volk hat über 800 Jahre mit dem Sudetendeutschen Volk zusammengelebt.
  • Sudetendeutsche Geschichte soll in Schulen viel präsenter gemacht werden.
  • Wegen der Menschenrechte ohne Grenzen weltweit.

Wie schafft es die SL München, junge Leute für die Belange der Sudetendeutschen zu interessieren?

  • Die Anfragen dieser Leute werden schnell und höflich beantwortet.
  • Neu sind Wochendseminare am Heiligenhof in Bad Kissingen.
  • Facebookauftritt der SL München
  • Sudetendeutscher Tag, der immer mehr Kongresscharakter annimmt.

Prof. Wolf Kowalski referierte über Schaffung eines historischen Gedächtnisses des Sudetenlandes auf lexikalischer Ebene. Enzyklopädie Wikipedia: Chance oder Gefahr?

Es gibt einige Gruppen, die im Internet Einträge machen. Die Volkszählung der Sudetendeutschen von 1930 in der Tschechoslowakei sollte für jedes Dorf ins Internet gestellt werden!

Für Nachkommen, die sich für ihre Sudetendeutsche Herkunft interessieren: www.genteam.at (kostenloses Ortsverzeichnis).

In der Familienforschung für Böhmen, Mähren und Schlesien ist Präs. Ofner, www.Familia.Austria, ein Spezialist, der gute Ratschläge erteilt.

Zum Abschluß des Symposiums stellte Hubert Rogelböck „Die deutschen Minderheiten in Ost- und Südeuropa“vor.

  • Karpatendeutsche in der Slowakei
  • Deutsche in der Ukraine/Buchenland
  • Rumäniendeutsche: Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben
  • Deutsche in Serbien: Donauschwaben
  • Deutsche in Ungarn: Donauschwaben
  • Deutsche in Slowenien: Untersteirer und Gottscheer.

Nach den Vorträgen war die Möglichkeit Fragen zu stellen und Meinungen zu vertreten. Es wurde reichlich davon Gebrauch gemacht. Die Meinungen der jungen und mittleren Generations-Vertreter war einhellig: die Art der Veranstaltung sollte gezielt fortgeführt werden. Besonderes Interesse zeigt man für aufgeschlossene Tschechen, mit denen man gerne sprechen möchte. Monika Horakova – sie entwickelte in Reingers, Waldviertel, eine Neubistritzer Heimatstube der modernen Art, sie wird sicher gebeten werden, für einen Vortrag aus ihrer Erfahrung, zur Verfügung zu stehen.

 

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