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Verschollene und Vergessene

„Verschollene und Vergessene“ –

auch die Arbeitsstelle für deutschmährische Literatur in Olmütz erinnert an sie

Nicht zu Unrecht ist jener jüdische Literat aus Mähren in die gleichnamige Publikationsreihe der Akademie der Wissenschaften und der Literatur aufgenommen und dabei von Věra Macháčková-Riegerová mitsamt seinem Lebensbild und einiger seiner Werke, u.a. Der Aufruhr 1976 veröffentlicht worden und trifft mit dem Reihentitel genau ins Schwarze.

Ebenso hat es sich die Arbeitsstelle für deutschmährische Literatur unter der Leitung von Prof. Dr. Ingeborg Fiala-Fürst am Lehrstuhl für Germanistik an der Palacký-Universität in Olmütz mit der Herausgabe der Anthologien der deutschmährischen Literatur zur Aufgabe gemacht, gerade auf verschollene und (fast) vergessene Autoren aus Mähren aufmerksam zu machen. Dabei haben die Herausgeber Lukáš Motyčka und Barbora Veselá neben Autoren wie Karl Brand, Marie von Ebner-Eschenbach, Marie Knietschke, Ernst Lothar und dem schon in diesem Jahr gedachten Ernst Weiss auch Ernst Sommer in ihre Auswahl genommen. In ihrer Publikation erwähnen sie aber nicht nur „stellvertretend“ ein oder auch zwei Werke des Autors, sie schalten vor jede Erzählung oder Novelle das Lebensbild des jeweiligen Autors, das sich in etwa über eine Seite erstreckt. Dabei liest man von vielen Schicksalen und wie oft von seelischen Belastungen, die nicht selten auch einen zeitpolitischen Hintergrund hatten. Noch einmal wertvoller machen die Anthologien die Tatsache, dass sie in zwei Bänden erschienen sind, wobei eine Ausgabe in tschechischer Sprache vorliegt und die andere in deutscher Sprache.

Ernst Sommer, dessen Lebensbild mit der Erzählung Der Aufruhr in die Anthologien aufgenommen wurde, entstammte einer jüdischen Familie, die kaufmännisch tätig war und in Iglau lebte. Schon seit seiner Kindheit litt Sommer unter Angstzuständen, studierte nach seiner Schulzeit Jura in Wien. Seine Wirkungsstationen waren  daneben Aussig, Brüx, Dux und Karlsbad, wo er als Anwalt sein Auskommen hatte. Daneben stand er dem Prager deutschen Kreis mit Franz Kafka und Max Brod nahe und schrieb Theaterkritiken für Zeitungen. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zwang Sommer, nach London ins Exil zu gehen, wo er die tschechoslowakische Exilregierung in publizistischer Hinsicht unterstützte. Er sollte seine Heimat nicht mehr wieder sehen und verstarb am 20. September 1955 in London.

Zu seinen Werken, in welchen er zumeist historische Tatbestände auf seine aktuellen Lebensumstände projiziert, gehören: Die Templer (1934), Botschaft aus Granada (1937) und die schon erwähnte Erzählung Der Aufruhr (1920), die die Massenpsychologie zum Thema hat, aber auch zahlreiche andere Titel. Dass er an einer seelischen Krankheit litt, mitunter gegen Selbstmordgedanken ankämpfte, wird im autobiographischen Roman Erpresser aus Verirrung (1947) deutlich. Der Roman Revolte der Heiligen (1944)wird als einer der wichtigsten Romane der Exilliteratur betrachtet.

Die vollständige Bibliographie des vorgestellten Buches aus Olmütz lautet:

Lukáš Motyćka-Barbora Veselá (Hrg.),

Anthologie der deutschmährischen Literatur. Antologie německé moravské literatury. (=Poetica Moraviae 7),

2014, Univerzita Palackého v Olomouci            2 Bände. 590 bzw. 526 Seiten. Preis: 200,-- Kč    ISBN: 978-80-244-4225-9, Bestellungen über Universitätsverlag Olmütz: prodejna.vup@upol.cz

Julia Nagel


 

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