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Zeitzeugen-Bericht aus dem "Protektorat Böhmen und Mähren"

 

Zwei Zeitzeugen aus dem „Protektorat Böhmen und Mähren 1939-1945“ berichten in Wien

Utl.: Das Volkskundemuseum war zum 2. Mal Zeuge von Vertriebenenleid und von Defiziten im Zeitgeschichte – Wissen des Moderators

Letzten Donnerstag, am 18. Feber, erfolgte die 2. Veranstaltung der Projektreihe „Vertriebene und Verbliebene – CSR 1937 – 1948“ im Wiener Volkskundemuseum. Darin berichteten 2 bewundernswerte Damen, die als kleine Kinder im unseligen Protektorat Böhmen und Mähren 1939-1945 lebten, über harmlose und furchtbare Erlebnisse aus ihrer Kindheit.

Besonders grausam war das Schicksal jener Dame, die ihren Vater und dessen Familie wegen seiner jüdischen Abstammung verloren hatte. Für viele befremdend zeigte sich leider die Moderation des Kurators Mag. Dr. Georg Traska vom Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte, der diese Ausstellungs- und Gesprächsreihe als ein grenzüberschreitendes und von der Europäischen Union finanziell gefördertes Projekt betreibt.

So forderte Dr. Traska oftmals durch schiere Unkenntnis der damaligen Zeitabläufe das Publikum zu Korrektur – Diskussionen heraus, die er fairerweise immerhin zugelassen hatte. Fremd war ihm z.B. die französisch-britisch-tschechoslowakische Vereinbarung vom 22.9.1938 in Bad Godesberg, in der mit der tschechischen Regierung Übereinstimmung über die Abtretung sudetendeutscher Gebiete erzielt wurde und die Nicht - Einhaltung auch nur der einfachsten demokratischen Vorgänge bei der Staatsgründung der Tschecho=Slowakei 1918 mit dem völligen Ausschluss der deutschen Bevölkerung bei der Gestaltung der Verfassung und des Staatsnamens.

Ebenso unbekannt war Dr. Traska die völlige Vorenthaltung der in St. Germain 1919 zwingend für die deutsche Bevölkerung versprochene Autonomieregelung nach Schweizer Muster, die willkürliche Verteilung der Masse des deutschen Großgrundbesitzes an fast nur tschechische Bauern und viele andere Vorgänge mehr , die die deutschen Bewohner in den böhmischen Ländern und in der Slowakei diskriminierten und das Klima für sie vergiftet hatten.

Als Folge der so bald zerflatternden Erzählungen der beiden Zeitzeugen verließen leider etliche Besucher vorzeitig die Veranstaltung.

Immerhin erwies sich dieses Ereignis als nutzbringend, da der offenkundige Mangel auch nur an Basisinformationen bei den Initiatoren solcher Veranstaltungen zeigt, dass es dringend notwendig ist, auf breiter Basis Bildungsmaßnahmen zu setzen, die die tatsächlichen Sachverhalte jener Zeit,  emotionslos und nur auf Fakten basierend, unserer Bevölkerung erklären.

Denn immerhin leben in Österreich weit mehr als 1 Million Menschen, die selbst Vertriebenenhintergrund aus den Gebieten der ehemaligen Österreich-Ungarischen Monarchie haben, oder mit diesem Personenkreis verwandt sind.

Deshalb sind die einschlägigen Institutionen, Verbände und Volkshochschulen gefordert, schnellstmöglich Licht in das leider weitgehende Dunkel des Schicksals der Altösterreicher in der Tschechoslowakei zu bringen.

 

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