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Zwangsarbeit in Kohlengruben 1945/46 - Teil 1

Auf Zwangsarbeit in den Kohlengruben in Mähr.-Ostrau nach Kriegsende 1945/46

- Ein Erlebnisbericht von Max Elsner, Klein-Mohrau Nr. 179 – (1)

Was haben Kinder verbrochen, dass man 15 - und 16jährige als Zwangsarbeiter in die Kohlengruben verschleppt und dort schwere gefährliche Arbeiten verrichten lässt, die sonst von erwachsenen Männern verlangt werden?

Mit diesem Vorwort beginne ich meinen Bericht über die Leidenszeit während der Zwangsarbeit vom Juni 1945 bis September 1946 in den Kohlegruben im Hubertschacht in Mähr.-Ostrau.

Mein Name ist Maximilian Elsner, geb. am 10. März 1930 in Klein-Mohrau am Fuße des Altvatergebirges. Ich besuchte 5 Klassen der Volksschule Klein-Mohrau und danach die Knabenhauptschule in Freudenthal. Wir waren eine arme, aber glückliche 9 köpfige Familie.

Mein Vater wurde als letzter aus unserem Dorf zum Kriegsdienst eingezogen, starb am 12.12.1945 in russischer Gefangenschaft und wurde östlich von Berlin in einem Massengrab verscharrt. Den Ort konnte meine Schwester Hedi , nach der Wende ausfindig machen.

Am 8. Mai 1945, am Tage der Kapitulation, kamen die Russen in unser Dorf. Sie feierten den Sieg über Hitler-Deutschtand Es folgten sehr schlimme Tage und Wochen für die Bevölkerung, besonders für Mädchen und Frauen.

Nach Abzug der Russen übernahmen dann die Tschechen die Aufsicht über das Dorf. Mitte Juni erhielt ich die Aufforderung, mich mit Arbeitskleidung und Verpflegung für 3 Tage zum Arbeitseinsatz am Bahnhof einzufinden.

Wir waren neun Leute am Treffpunk, zwei Männer (Rudolf Hanke und mein Onkel Karl Rotter) und sieben Jugendliche (Jauernig Rudolf, Müller Peter, Herfert Rudolf, Schilder Ernst, Grimm Rudolf, Ryborz Heinz und ich, Max Elsner).

Im offenen Güterwaggon ging die Fahrt los, ohne Angabe wohin. Am nächsten Morgen trafen wir in Mähr-Ostrau ein. Wir waren erstaunt über die Fördertürme, die in den Himmel ragten. Sollten wir hier womöglich als Grubenkumpel arbeiten?

Im Bahnhofsgebäude wurden wir von bewaffneten Männern empfangen und als Gefangene in ein älteres Barackenlager außerhalb der Stadt verbracht. Die Baracken waren von 2 m hohem Stacheldraht umzäunt. Ab sofort wurden wir Tag und Nacht überwacht. Es gab zweimal täglich „Raustreten zum Apell mit Zählung“.

Als erste Arbeit mussten wir den Zaun ausbruchsicher reparieren und oben drüber noch einen, zusätzlichen Stacheldraht ziehen. Jetzt ging es daran die Unterkünfte herzurichten. Die Betten, die Spinde, die Matratzen und Decken waren altes Zeug. So gut es ging haben wir uns halbwegs eingerichtet. Alle hatten in dem Raum Platz. In der Mitte des Raumes standen ein Kanonenofen und ein Tisch mit Bänken. Das sollte nun für 15 Monate unser Aufenthalt sein.

Uns wurde gesagt, dass wir nun untertage Kohle fördern müssen, für uns unvorstellbar! Aus Hygiene-Gründen mussten wir uns nun gegenseitig die Haare abschneiden. Erst mit der Schere und dann mit einer Handschneidemaschine ganz kurz, zu einer Glatze. Alle 6 Wochen hat sich das wiederholt.

Die sanitären Einrichtungen waren grausam. In der Waschbaracke standen zwei lange Blechrinnen und darüber Wasserhähne mit kaltem Wasser. Hier mussten wir auch unsere Leibwäsche waschen.

Die Toiletten bestanden aus einem sogenanntem Donnerbalken, etwas geschützt hinter einer Bretterwand. Dort war eine große Grube ausgehoben und darüber eine Stange befestigt. Im Winter eine sehr kalte Angelegenheit. Regelmäßig wurde die Grube und was darin war mit Kalk abgedeckt.

Wenige Tage nach Bezug der Baracke entdeckten wir ganz schlimmes, nämlich Wanzen in Ritzen, Hohlwänden und Matratzen. Das ganze Lager war verseucht und die öfters, durchgeführte Begasung half kaum. Mich haben die Wanzen eigentlich in Ruhe gelassen, jedoch anderen Zimmergenossen ging es sehr schlecht. Morgens immer angefressen aufwachen und dann der Gestank!

Das Lager bestand aus mehreren Baracken die ebenfalls mit Häftlingen besetzt waren. Es durfte niemand mit anderen Insassen in Kontakt treten, das war streng verboten. Deshalb kann ich auch nicht sagen, ob alle Lagerinsassen in den Gruben arbeiten mussten.

Die ersten 6 Monate wussten unsere Angehörigen daheim nicht, wo wir waren. Erst kurz vor Weihnachten bekamen wir die Erlaubnis nur Postkarten (keine Brief) nach Hause zu schicken. Auch durften wir nur Karten bekommen.

 

 

 

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